Die alte Ulrichskirche in Platt

ulrichskirche1.jpg - 15,76 K Am Ortsanger stand einst die alte Ulrichskirche, von der sich heute nur noch ein baulich ziemlich veränderter, barockisierter Turmrest aus dem späten 18. Jh. mit anschließendem, als Gemeinschaftsraum adaptierten größeren Saal erhalten hat. Über das Aussehen des ursprünglichen, 1458 in der Meßstiftung der Katharina Wacker als "Ulrichskapelle" erwähnten und 1858 abgebrochenen Baues geben nur wenige historische Quellen Zeugnis: 1837 beschreibt Pfarrer Pater Roman Mittich in der Platter Pfarrchronik, daß die Pfarrkirche "in der Mitte des Dorfes stehe, klein sei, von alter Bauart mit neuen Zusätzen, mit einem sich wenig über sie erhebenden Turm, dem heiligen Ulrich geweiht."
Weiters sei der Bau "dürftig eingerichtet und besitze nur einen Hochaltar mit der hölzernen Statue des Heiligen." (Vgl. die Beschreibung der Kirche in der Darstellung von F. X. Schweickhardt) Die hölzerne Ulrichsstatue ist nicht mehr erhalten. Die Ulrichskirche wurde bald für die schnell wachsende Platter Bevölkerung zu klein: mit 1202 Menschen erreichte der Ort 1850 seine höchste Einwohnerzahl. (Zum Vergleich der Stand von 1998: 417 ständige Einwohner, 152 Zweitwohnungsbesitzer) Schon im Jahre 1781 hatte Dechant Eustachius von Schwarzenhaimb aus Röschitz vorgeschlagen, "die Kirche in Platt, in welcher kaum noch 400 Personen Platz haben, also zu erweitern, daß diese füglich über 700 derselben in sich könne fassen."

Beschreibung (nach Dehio): Dreizoniger Aufbau mit gebändertem Erdgeschoß, monumentalen Pilastern, Ovalfenstern und Uhrengiebeln. In der oberen Turmnische befindet sich eine sandsteinerne Statue des hl. Ulrich, vermutlich aus der Hand des Eggenburger Steinmetzmeisters Jakob Steinböck.
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hl. Ulrich
hl. Urlich
 

Die Platter begannen sich, nach Pfarrer Richard Treyers Abhandlung "Pfarrwerdung Platt", bereits 1750 um eine eigene Pfarre zu bemühen. Dafür hielten sie vorläufig ihr Kirchlein für groß genug. Für den Bau eines Pfarrhofes verpflichtete sich der Schrattenthaler Grundherr, Graf Hartig, Unterstützung zu gewähren. Das Stift Schotten aber hat die mehrmaligen Ansuchen der Gemeinde abgelehnt.

Zur Pfarrgründung kam es erst am 12. 9. 1783 auf Grund einer allge-meinen Verfügung der Kaiserin Maria Theresia aus dem Jahre 1777, nach der die Bedingungen für eine Pfarrgründung in Platt erfüllt waren: über 700 Seelen und eine Wegstunde zur Kirche Zellerndorf. Letzteres wurde von Seiten des Stiftes angezweifelt, bis eine unparteiische Kommission der Gemeinde recht gab. Bei Regenwetter waren die Wegverhältnisse so schlecht, daß man in einer Stunde die Kirche nicht erreichen konnte.

Der erste Pfarrer, P. Leopold Gehlen, wurde am 11. Jänner 1784 feierlich installiert. Die Begrüßungsworte kamen vom ersten "Schullehrer" Johann Gnilly. Außer dem notdürftig ausgestatteten Kirchlein mußten alle anderen Ein-richtungen, die zu einer Pfarre gehörten, erst geschaffen werden: Zu jeder Pfarre gehörte eine Schule, die sogleich nahe der Kirche (späteres Viehhirthaus, heute Garten bei Kaufhaus Nr. 142) errichtet wurde. Auch ein Friedhof wurde noch 1784 angelegt und zwar dort, wo heute der Pfarrhofgarten ist. Gleich nördlich davon begann man 1785 einen Pfarrhof zu bauen, für dessen Errichtung sich der Grundherr Hartig schon beim Ansuchen um eine Pfarre verpflichtet hatte, die Gemeinde mit einem Beitrag zu unterstützen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1540 Gulden. Der Graf stellte als Baumaterial die Abbruchsteine der abgebrannten Klosterkirche von Schrattenthal zur Verfügung, vielleicht mit ein Grund dafür, daß dieser Bau keinen langen Bestand haben sollte. Der Pfarrer wohnte bis zur Fertigstellung des Pfarrhofes im Haus Nr. 40, später 47. Schon 1842/43 ließ das Stift an der gleichen Stelle den jetzigen Pfarrhof bauen.

Bald aber erwies sich das Kirchlein für die 750 Seelen des Ortes als zu klein. Noch dazu war die Bevölkerungszahl im Ansteigen. Daher ließ die Gemeinde i. J. 1790 das Gotteshaus durch Anfügen von "zwei Seitenflügeln auf eigene Kosten (807 Gulden) erweitern". So mußte es, obwohl noch immer zu klein, den Gläubigen noch 60 Jahre genügen.

Nach dem Bau der neuen Kirche schenkte der Abt 1850 das alte Kirchengebäude der Gemeinde zum Abbruch, was 1858 geschah. Brauchbares Material "soll den 1857 abgebrannten 57 Häusern zugute kommen". Schutt wurde bei der neuen Kirche angeführt. Der Turm mußte auf Anordnung des Abtes stehen bleiben.

1878/79 ließ die Gemeinde an den freistehenden Turm eine dritte Schulklasse anbauen. Der Raum unter dem Turm wurde zur Lagerung von Heizmaterial und für die Klosette verwendet. 1932 wurde die Volksschule zweiklassig, daher verlor das Haus seinen schulischen Verwendungszweck. Es wurde 1937 zur Gemeindekanzlei umgewidmet. 1975 beschloß der Gemeinderat der Großgemeinde, den feuchten und dadurch baufällig gewordenen Raum abzutragen und an gleicher Stelle einen Gemeinschaftsraum mit einer kleinen Kanzlei zu errichten. Das Problem war nur die Finanzierung! Da half für den Anfang ein Zufall: Frau Eleonora Prohaska, geb. Putz, HNr. 15, die es mit ihrem Gatten in Amerika zu Wohlstand gebracht hatte, wählte den heimatlichen Friedhof zu ihrer letzten Ruhestätte (1973) und bedachte in ihrem Testament Platt mit einem Erbe von 280.000 S. Mit diesem Grundkapital konnte der Bau 1977 begonnen werden. Die weiteren Beiträge hatte die Gemeinde zu leisten. Daher wurde der Bau erst 1983 fertig.

 

 

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