Die alte Ulrichskirche in Platt
Der erste Pfarrer, P. Leopold Gehlen, wurde am 11. Jänner 1784 feierlich installiert. Die Begrüßungsworte kamen vom ersten "Schullehrer" Johann Gnilly. Außer dem notdürftig ausgestatteten Kirchlein mußten alle anderen Ein-richtungen, die zu einer Pfarre gehörten, erst geschaffen werden: Zu jeder Pfarre gehörte eine Schule, die sogleich nahe der Kirche (späteres Viehhirthaus, heute Garten bei Kaufhaus Nr. 142) errichtet wurde. Auch ein Friedhof wurde noch 1784 angelegt und zwar dort, wo heute der Pfarrhofgarten ist. Gleich nördlich davon begann man 1785 einen Pfarrhof zu bauen, für dessen Errichtung sich der Grundherr Hartig schon beim Ansuchen um eine Pfarre verpflichtet hatte, die Gemeinde mit einem Beitrag zu unterstützen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 1540 Gulden. Der Graf stellte als Baumaterial die Abbruchsteine der abgebrannten Klosterkirche von Schrattenthal zur Verfügung, vielleicht mit ein Grund dafür, daß dieser Bau keinen langen Bestand haben sollte. Der Pfarrer wohnte bis zur Fertigstellung des Pfarrhofes im Haus Nr. 40, später 47. Schon 1842/43 ließ das Stift an der gleichen Stelle den jetzigen Pfarrhof bauen. Bald aber erwies sich das Kirchlein für die 750 Seelen des Ortes als zu klein. Noch dazu war die Bevölkerungszahl im Ansteigen. Daher ließ die Gemeinde i. J. 1790 das Gotteshaus durch Anfügen von "zwei Seitenflügeln auf eigene Kosten (807 Gulden) erweitern". So mußte es, obwohl noch immer zu klein, den Gläubigen noch 60 Jahre genügen. Nach dem Bau der neuen Kirche schenkte der Abt 1850 das alte Kirchengebäude der Gemeinde zum Abbruch, was 1858 geschah. Brauchbares Material "soll den 1857 abgebrannten 57 Häusern zugute kommen". Schutt wurde bei der neuen Kirche angeführt. Der Turm mußte auf Anordnung des Abtes stehen bleiben. 1878/79 ließ die Gemeinde an den freistehenden Turm eine dritte Schulklasse anbauen. Der Raum unter dem Turm wurde zur Lagerung von Heizmaterial und für die Klosette verwendet. 1932 wurde die Volksschule zweiklassig, daher verlor das Haus seinen schulischen Verwendungszweck. Es wurde 1937 zur Gemeindekanzlei umgewidmet. 1975 beschloß der Gemeinderat der Großgemeinde, den feuchten und dadurch baufällig gewordenen Raum abzutragen und an gleicher Stelle einen Gemeinschaftsraum mit einer kleinen Kanzlei zu errichten. Das Problem war nur die Finanzierung! Da half für den Anfang ein Zufall: Frau Eleonora Prohaska, geb. Putz, HNr. 15, die es mit ihrem Gatten in Amerika zu Wohlstand gebracht hatte, wählte den heimatlichen Friedhof zu ihrer letzten Ruhestätte (1973) und bedachte in ihrem Testament Platt mit einem Erbe von 280.000 S. Mit diesem Grundkapital konnte der Bau 1977 begonnen werden. Die weiteren Beiträge hatte die Gemeinde zu leisten. Daher wurde der Bau erst 1983 fertig.
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