Brände und Feuerwehr

Brandausbrüche versetzten die Dorfbewohner in früheren Zeiten noch mehr als heute in Angst und Schrecken, besonders in der Zeit, in der die Häuser noch mit Stroh gedeckt und die Dachböden mit leicht brennbaren Futtervorräten vollgestopft waren. Die Holzdecken über Wohnräumen und Stallungen waren auch vielfach zuwenig feuergeschützt, sodaß oft die ganze Habe samt dem Vieh ein Raub der Flammen wurde. Kam noch dazu ein stärkerer Wind auf, flog der Brand von Strohdach zu Strohdach, und nicht selten wurde in einer Nacht das halbe Dorf niedergebrannt.

Die Pfarrchronik vermerkt nachstehend angeführte größere Brände in Platt (Fol. 54):

  • Durch Unvorsichtigkeit beim Schmalz-Auskochen entstand 1811 ein Brand: "Zwischen 7 und 10 Uhr abends wurde die Kirchenseite (östlich Dorfhälfte) mit Ausnahme von Pfarrhof, Schule und einem Haus Raub der Flammen."
  • Im Jahr 1827, "...am 25. Juni um 5 Uhr abends kam es zu einem Großfeuer, bei dem 150 Häuser niederbrannten und ein Menschenleben zu beklagen war. Den Geschädigten wurde eine Unterstützung von den Nachbarorten zuteil."
  • Am 18. 2. 1846 "um ½11 Uhr brach ein Brand im Haus Nr. 63 aus, der rasch auf 13 Häuser in der Kaffeegasse übergriff."
  • Das Jahr 1856 brachte drei Brände in den Häusern Nr. 6, 12 und 17. Am 8. 7. ereignete sich ein Blitzschlag im Kirchendach. Der Schaden war durch Versicherung gedeckt.
  • Fünf Brände, denen 56 Häuser und 32 Preßhäuser - meist strohgedeckt - zum Opfer fielen, ereigneten sich von 13. 5. bis 13. 7. 1857.
  • Im Jahr 1859 hat man im Haus Nr. 72 zweimal versuchte Brandlegung festgestellt.
  • Am 13. 5. 1877 brannten 5 Häuser und 2 Preßhäuser und am 30. 5. drei Häuser ab.

Im letzten Viertel des Jahrhunderts wurden die Häuser allmählich mit Dachziegeln gedeckt, daher gab es weniger und nicht zu ausgedehnte Brände:

  • Am 8. 12. 1887 brannte die Scheune von Haus Nr. 39 ab.
  • Nach der Schulchronik ereigneten sich 1891 zwei Brände.
  • Am 7. 12. 1900 wurde Haus Nr. 19 mit Ausnahme der Scheune ein Raub der Flammen.
  • Die Scheune des Hauses Nr. 194 wurde 1907 durch einen Brand eingeäschert. Der Schaden war durch Versicherung gedeckt.

Trotzdem dürfte dieser Brand zur Gründung der Platter Feuerwehr i. J. 1909 beigetragen haben. Die Hauptinitiatoren waren der Pfarrer und die Lehrerschaft des Ortes, die für den 10. Mai eine Gründungsversammlung organisierten, bei der zugleich das Kommando der neuen Wehr gewählt wurde: Kommandant Alois Muhm, Nr. 6, sein Stellvertreter Alois Alber, Nr. 11, Kassier Lehrer Hacker, Schriftführer Lehrer Zeitlberger, Zugführer: Franz Bischof, Nr. 32, Josef Penz, Nr. 18 und Josef Fidesser, Nr. 28. Sogleich wurde die notwendigste Ausrüstung angeschafft: Die Uniform fertigte der örtliche Schneidermeister Stephan Danzinger an. Eine Handpumpenspritze samt Zubehör wurde bestellt.

Das Gründungsfest mit Spritzenweihe war am 8. September 1909. Dieser Marienfeiertag war für die Platter ein großer Festtag, der mit Musik und Tanz ausklang.

Kurze Chronik der Feuerwehr-Kommandanten
Alois Muhm Nr. 6 1909 bis 1922
Theodor Windisch Nr. 7 1923 bis 1929
Leopold Haider Nr. 8 1929 bis 1935
Theodor Fidesser Nr. 28 1935 bis 1938
Leopold Pfeifer Nr. 21 1938 bis 1945
Josef Fried Nr. 98 1946 bis 1948
Theodor Windisch jun. Nr. 7 1948 bis 1950
Josef Kamhuber Nr. 23 1950 bis 1960
Johann Fleischhacker sen. Nr. 145 1960 bis 1964
Franz Winalek Nr. 12 1964 bis 1996
Herbert Winalek Nr. 12 seit 1996

Erstes Feuerwehrhaus war ein Schuppen des Hauses Nr. 6 bei Kdt. Muhm. Erst 1926 wurde ein eigenes Feuerwehrhaus gegenüber dem Milchhaus erbaut, dem man 1967 einen Mannschaftsraum und 1982 einen Schlauchturm zugebaut hat. Vorher hat man die Schläuche im Ulrichsturm zum Trocknen aufgehängt. 1982 bekam die Feuerwehr auch den leerstehenden Wagenschuppen des Milchhauses als Abstellraum zur Verfügung gestellt.

Die wichtigsten Anschaffungen: 1909 eine Handpumpenspritze auf Pferdewagen; 1933 erste Motorspritze auf Zweiradkarren; 1954 eine Sirene auf dem Ulrichsturm; 1958 neue Tragkraftspritze und 1965 den TS-Wagen dazu, 1964 zwei schwere und 1980 drei leichte Atemschutzgeräte; 1987 ein Kleinlöschfahrzeug (VW T5), einen LKW-VW-Pritsche und ein Notstromaggregat.

In den Brandbüchern der F.F.-Platt sind nachstehende Brände eingetragen, deren Ausdehnung dank des organisierten Einsatzes der Feuerwehr sich nie über mehr als zwei Objekte hinausging:

  • Am 21. 8. 1910, um 17.30 Uhr, wurdedie neue Spritze beim Brand eines ortsnahen Strohschobers erstmals eingesetzt.
  • Am 23. 10. 1913, um 18 Uhr, brannten im Kleinhaus Nr. 68 die Stallungen teilweise ab.
  • Im Weltkrieg 1914 bis 1918 brannte ein "Bahnwächterhaus nächst dem Dorfe" ab (nähere Angaben fehlen).
  • Am 20. 9. 1920, um 14.00 Uhr, brannten Scheune und Stallungen von Nr. 178 (Pfeifer).
  • Am 9. 7. 1921, um 23.40 Uhr: Dachwerk und Scheune von Nr. 45 brannten ab.
  • Am 31. 7. 1922 brachen fast gleichzeitig zwei Brände aus, bei denen mit Sicherheit Brandlegung angenommen werden kann: um 23.00 Uhr das gesamte Dachwerk von Nr. 26 und um 23.40 Uhr eine Feldscheune neben dem Kirchenacker.
  • Ausgehend von der Scheune von Nr. 12 griff am 5. 4. 1925 um 15.15 Uhr ein Brand auf Nr. 11 über und zerstörte die Wirtschaftstrakte beider Häuser.
  • Durch Brandlegung wurde am 18. 4. 1927 um 21.45 Uhr das gesamte Dachwerk von Nr. 59 vernichtet. Klage des F.F.-Kommandos, daß so wenig Zivilpersonen zum Pumpen der Feuerspritze zu bewegen waren. Erstmalig war die Feuerwehr Zellerndorf mit der Motorspritze im Einsatz in Platt.
  • Am 3. 5. 1928 um 23.30 Uhr brannten die zwei benachbarten Häuser Nr. 173 und 176 total ab.
  • In drei Fällen wurde 1929 Brandlegung vermutet: Am 22. 7. brannte um 2.00 Uhr das Haus Nr. 129 total nieder, am 26. 11. um 3.00 Uhr die Scheune von Haus Nr. 3 und am 14. 12. um 7.00 Uhr Haus Nr. 61.
  • Ein Kaminfeuer brach im Haus Nr. 91 am 20. 5. 1937 um 23.30 Uhr aus, dem das ganze Dach zum Opfer fiel.
  • Beim Brand einer Strohtriste am Friedhofweg kam am 12. 4. 195 erstmals die neue Motorspritze erfolgreich zum Einsatz.
  • Am 21. 1. 1953 brannte das Preßhausdach Heger in der Leitendrift (Brandlegung).
  • Durch Blitzschlag brannte am 23. 6. desselben Jahres um 16.30 Uhr der Wirtschaftstrakt von Haus Nr. 27 nieder.
  • Ein Blitzschlag vernichtete am 21. 7. 1955 bei Nr. 31 Scheune und Stallungen.
  • Die Scheune von Nr. 26 brannte am 11. 7. 1962 durch Blitzschlag ab.
  • Im Jahr 1963 gab es 12 Flurbrände in der Erntezeit. Es brannte vor allem Stroh auf Stoppelfeldern, was sich in den folgenden Jahren immer wieder durch Funkenflug von Dampfloks in Bahnnähe wiederholte, bis auf unserer Stecke die Dieselloks eingeführt wurden.
  • Durch zündelnde Kinder verbrannte am 8. 10. 1965 das gesamte Dachwerk von Nr. 124.
  • Der durch Kinderzündeln verursachte Brand von Haus Nr. 65/66 vom 7. 8. 1974 hat auch auf Nr. 64 übergegriffen.
  • Am 1. 3. 1978 waren es ebenfalls zündelnde Kinder, die den Brand von Haus Nr. 72 verursachten. Das Gebäude brannte total ab.
 

 

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