Platt in der Vergangenheit

Von der Jungsteinzeit über das Mittelalter in die Gegenwart

Durch Zufallsfunde beim Beackern der Felder und durch neueste Ergebnisse einer im Juli 2000 in der Flur "Reitlüsse" durchgeführten kleinen archäologischen Grabung durch das Wiener Ur- und Frühgeschichteinstitut ist eine Besiedlung des heutigen Ortes Platt und dessen näherer Umgebung schon für die späte Jung- und frühe Bronzezeit gesichert.

Zur Freude aller Mitarbeiter und Freunde des Vereins "Forum Platt" konnten aus drei urzeitlichen Gruben viele Steinwerkzeuge (sog. Silices), Tierknochen und schöne Keramikfragmente der Trichterbecherkultur aus der späten Jungsteinzeit (etwa Mitte 4. Jahrtausend v. Chr.) und der Aunjetitzkultur (frühe Bronzezeit) geborgen werden, die auch schon alle inventarisiert (gewaschen, beschriftet, geklebt...) sind. Ganz in der Nähe des Platter Sandberges verbergen sich im Boden des Nachbarortes Roseldorf die Überreste einer ausgedehnten Keltensiedlung der späten La - Tène - Zeit (2. Jahrhundert v. Chr. bis Chr. Geburt), offenbar mit einer eigenen Münzprägestätte. Es ist anzunehmen, daß sich auch auf Platter Seite einzelne keltische Häuser befunden haben könnten, derzeit fehlt aber noch der archäologische Beweis ihrer Existenz. Schließlich fehlt auch noch jede Spur von der einstigen keltischen Begräbnisstätte.

Die erste urkundliche Nennung des Ortes Platt datiert vom Ende des 12. Jahrhunderts: 1185/95 schenkte Elisabeth, Gräfin von Ortenburg, dem bayrischen Kloster Asbach einen kleinen Besitz bei "Plade". Unter den Zeugen befindet sich ein Otto de Plade. Elisabeth von Ortenburg schenkte weiteren Klöstern, darunter z. B. Reichersberg, Güter in Platt (predium, quod plade dicitur).

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind die Schaunberger Grafen Eigentümer von Lehen in Platt, 1382 kam das Dorf Platt mit der nahe liegenden Burg Schrattenthal als herzogliches Lehen an die Grafen von Hardegg. Die Hardegger vergaben Grundbesitz in Platt an Mitglieder der Familie Reut: 1408 z. B. bestätigte Johann Graf von Hardegg die Verfügung von Hans und Gilgen von Reut, wonach diese alle ihre Güter, die sie zu Lehen hatten, im Falle ihres erbenlosen Todes mit Ausnahme des kleinen, im Besitz des Hans von Reut befindlichen Hofes zu Pladt den Rosenharts vermachten. Um 1430 bestätigte das Lehenbuch Herzog Albrechts V. Wolfgang von Reut als Inhaber von 21 halben Lehen und 6 Hofstätten zu Platt. 1444 wird dieser als hardegg'scher Lehensinhaber eines groß hof genannt, welcher zwischen 1480 und 1483 auf Gebhart Reut (Rewter) überging.

Am 25. 5. 1458 übertrug Katharina, Tochter des Johann von Reut und Witwe des Pilgrim Wacker, dem Schottenstift in Wien den Wein- und Getreidezehent zu Platt gegen eine Meßstiftung in der dortigen Ulrichskapelle und in der Zellerndorfer Pfarrkirche. Danach war der Zellerndorfer Pfarrer verpflichtet, wöchentlich zwei heilige Messen, jeweils am Montag und am Freitag, in Platt zu lesen. Außerdem wurde festgesetzt, daß am Ulrichstag (4. Juli) und am Platter Kirchweihtag der Vikar von Zellerndorf mit seinem Kaplan und der ganzen Pfarrgemeinde eine Prozession nach Platt abhalten und dort ein Amt singen sollte. Das Opfer gehörte ganz, das Sammelgeld nur zur Hälfte dem Zellerndorfer Pfarrer, die andere Hälfte kam der Platter Kapelle zugute. Bemerkenswert ist der dem Revers beigefügte Vermerk, nach dem die Platter verpflichtet waren, jede Vernachlässigung der Stiftung durch den Zellerndorfer Pfarrer dem Schottenkonvent anzuzeigen. Als Strafe waren 4 Pfund Wachs festgelegt.

In einer Urkunde aus dem Jahr 1500 erfahren wir, daß ein Hans Schawl durch Heinrich Graf von Hardegg mit dem halben Dorf zu Plad belehnt worden ist. Damit scheint klar, daß Platt damals zur Hälfte landesfürstliches und Hardegger Lehen war. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erwarben die Herren von Eitzing, die von den Hardegger Grafen die Herrschaft Schrattenthal zunächst zu Lehen, kurz darauf (1438) als freies Eigen erhalten hatten, Güter in Platt: 1469 erhielt Stephan von Eitzing vom Wiener Schottenstift allen Wein- und Getreidezehent in Platt und Zellerndorf übertragen. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts scheint die Herrschaft Schrattenthal in den Besitz der Platter Ortsobrigkeit gekommen zu sein, denn als Kaiser Maximilian I. dem Freiherrn von Eitzing die Stadt Schrattenthal verlieh, wird auch das Dorf Platt erwähnt. In den Jahren 1590/91 sind alle 56 Platter Häuser der Herrschaft Schrattenthal (bis 1620 die Freiherren von Eitzing, 1620 - 1660 die Grafen von Strozzi, 1660 - 1734 die Putz Freiherren von Adlersthurm, 1734 - 1797 die Reichsgrafen von Hartig, 1797 - 1803 der Freiherr von Chartard, 1803 - 1848/69 die Reichsgrafen von Attems) untertan. Bis zum Ende des grundherrlichen Obrigkeitssystems im Jahre 1848 bleibt Schrattenthal alleinige Grundherrin in Platt, danach war Platt von 1850 bis 1966 eine eigene Ortsgemeinde. Seit dem 1. Jänner 1967 ist Platt eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Zellerndorf.

 


Platt um 1840

Beschreibung des Ortes Platt in Franz Xaver Schweickhardt's "Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns", Viertel unter dem Manhartsberg, Wien 1831- 1841:

Ein bedeutendes Kirchdorf mit 185 Hausnummern und der nächsten Poststation Ober- Hollabrunn in einer Entfernung von 3½ Stunden.
Sowohl die Pfarrkirche als auch die Schule befinden sich im Orte; diese gehören in das Decanat Rötz zu Schrattenthal und das Patronat davon dem Stifte Schotten. Der Werbbezirk ist zum Linien- Infanterie- Regimente Nr. 4 einbezogen. Die landgerichtlichen Rechte werden von der Herrschaft Limberg ausgeübt; Grund-, Orts- und Conscriptionsobrigkeit ist die Herrschaft Schrattenthal.
Die Einwohnerzahl besteht in 259 Familien, 511 männlichen, 583 weiblichen Personen und 158 schulfähigen Kindern; jene des Viehstandes beläuft sich auf 38 Pferde, 7 Ochsen, 74 Kühe, 250 Schafe, 20 Ziegen und 130 Schweine.
Die hiesigen Bewohner gehören in die Classe der Landbauern, wie die meisten in diesem Viertel und sind als Hauersleute zu betrachten, weil sie sich größtentheils mit dem Weinbau und ungleich weniger mit dem Körnerbau beschäftigen. Ihre Gründe zerfallen in die gewöhnlichen drei Classen, worauf sie Weizen, Korn, Gerste und Hafer bauen. Die Obstpflege ist gering und auch die Viehzucht wird nur in so ferne betrieben, als es der Hausbedarf erfordert, ohne Anwendung einer Stallfütterung. Die Bestiftung der hierortigen Grundbesitzer, worunter sich aber 136 Kleinhäusler befinden, darf gut genannt werden. Handwerker gibt es im Orte zwanzig, nämlich Wirthe, Fleischer, Bäcker, Schmide, Binder, Schlosser, Schuhmacher, Schneider, Bürstenbinder, dann Krämer und Greißler.
Platt ist von der Prager Poststraße westwärts situirt, von Guntersdorf hinweg 1½ Stunde, und zieht sich mit seinen mehrentheils an einander gebauten, meist mit Stroh gedeckten Häusern, von denen nur einige wenige Ziegeldächer haben, theils am Abhange einer ziemlich bedeutenden Höhe, theils zwischen Obstgärten im Thale dahin. Die nächsten Ortschaften sind Roseldorf, Guntersdorf, Watzelsdorf, Zellerndorf, Deinzendorf und der Markt Röschitz. Die Gegend ist in jeder Beziehung schön, das Klima gesund und das Wasser gut. Die obgleich etwas abgeschlossene Lage des Ortes in einem halbrunden, von drei Seiten durch Weingebirge gebildeten Thale, welches nur gegen Südwest sich verflacht, gewinnt durch die an höher liegenden Weingärten sich theilweise hinziehenden Obstgärten und Felder, zwischen denen hie und da zwar nur unbedeutende Wiesengründe hervorblicken, ein wahrhaft ländliches, der Abwechslung darum aber durchaus nicht entbehrendes Bild. Die Jagdbarkeit ist mittelmäßig, bloß in Hasen und Rebhühnern bestehend.
Die bemerkenswerthen Gebäude sind die Pfarrkirche, der Pfarrhof und das Schulgebäude. Erstere liegt in der Mitte des Ortes am nördlichen Theile; sie ist klein, mehr einer Capelle, als einer Kirche ähnlich, mit halbrunden Fenstern, und hat einen sich wenig über ihr erhebenden Thurm mit drei Glocken. Das Patrocinium derselben besteht zu Ehren des heiligen Ulrichs, Bischofes zu Augsburg. Die Zeit ihrer Erbauung fällt in die Jahre von 1430 bis 1440 und wurde von der Frau Katharina, Gattin des Stephan Edlen von Reuter gegründet. Es ist nur ein Hochaltar vorhanden von Holz aufgerichtet, auf welchem sich die Statue des heiligen Ulrichs befindet. Kanzel, Chor, Sakristei, kurz alles ist einfach und dürftig, und gewährt kaum Raum zur Aufnahme von 300 Personen. Merkwürdigkeiten, oder sonst schöne Paramente gibt es sonach hier keine; auch gehört außer dem Orte Platt sonst keine Dorfschaft zur Pfarre.
Vom Jahre 1440 bis zum Jahre 1784 war die Kirche in Platt eine Filiale der Pfarre in Zellerndorf. Seit dieser Zeit ist sie selbstständig und hat einen Pfarrer aus dem Stifte Schotten in Wien. Der Gottesdienst wird von demselben versehen. Der Leichenhof befindet sich auf dem sogenannten Kuhleitenberg etwa 800 Schritte vom Dorfe entfernt.
......Zu den erlittenen Schicksalen von Platt können bloß zwei Feuersbrünste im Jahre 1811 und 1827, dann die im August 1832 ausgebrochene Cholera gerechnet werden.

 

 

[ Das Dorf ]