Der Friedhof

Bis zur Pfarrgründung war die Begräbnisstätte der Platter der Friedhof von Zellerndorf. Der erste Platter Friedhof wurde 1784 an der Stelle des heutigen Pfarrhofgartens errichtet. Auf der Gedenktafel der "Schmerzhaften Muttergottes" in der Kapelle am Südrand des Gartens steht noch zu lesen: "In diesem Garten ist von 1784 bis 1819 der Friedhof gewesen, in welchem 980 Leichen begraben wurden." 1819 wurde auf Veranlassung des Distriktsarztes wegen zu großer Ortsnähe dieser Friedhof aufgelassen und auf Gemeindegrund in den Kühleiten der derzeitige Friedhof errichtet. Die Verwaltung hat die Pfarre inne.

1856 ließ der erste Bürgermeister Ferdinand Klein, Nr. 6, das Holzkreuz in der Mitte des Friedhofes durch ein Steinkreuz ersetzen. 1945, in der "Besatzungszeit", haben unbekannte Täter Kreuz samt Corpus vom Sockel gestoßen und zertrümmert. Pfarrer Schinkmann ließ um 1950 das derzeitige, etwas kleinere Kreuz aufsetzen. 1891/92 hat das Stift Schotten aus den Ziegeln des abgenommenen Kirchengewölbes die Friedhofmauer und eine "Leichenkammer" (Sezierhäusl genannt) errichten lassen. Bis zu dieser Zeit war der "Leichenhof mit einer Holzplanke umzäunt".

Ursprünglich waren die Gräber einheitlich, mit Sicht zum Eingang, angeordnet. Die derzeitige Anordnung (sechs Grabreihen, drei Längs- und zwei Quergänge) wurden erst ab 1914 im Lauf von mehr als 10 Jahren im Rahmen erfolgter Begräbnisse vom Totengräber Johann Heger gegen großen Widerstand der Grabbesitzer durchgesetzt.

Der Weg zum Friedhof - leider etwas weit - war früher einmal durch schlechte Wegverhältnisse recht beschwerlich (mehr darüber im Kapitel "Ortsverschönerung und Ortswege"), bis man Anfang der 70er Jahre auch den Friedhofweg asphaltierte. Durch freiwillige Helfer wurde auch begonnen, die verwilderte Umrandung des Friedhofes zu kultivieren.

Die Heranbringung des Wassers für Anlagen und Gräber vom Bach war sehr beschwerlich. Daher hat sich Bürgermeister Lewisch schon um 1950 um einen Brunnen hinter dem Friedhof bemüht. Der hatte aber die meiste Zeit kein Wasser. Pfarrer Brandstetter ließ 1961 unterhalb der NW-Ecke der Friedhofmauer einen 10 m tiefen Brunnen graben und eine Pumpe einsetzen, was 16.000 S (90 S je Grab) kostete. 1970 erfolgte der Anschluß an das Wasserleitungsnetz, sodaß heute Friedhof und Gräber die gebührende Betreuung erhalten können.

1970 machten notwendige Instandsetzungsarbeiten eine Erhöhung der Grabgebühren von 20 S auf 50 S pro Jahr erforderlich. 1976 beschloß der Pfarrgemeinderat den Bau eines neuen Gerätehauses und einer Abfallgrube. Das alte "Totenhäusl" war baufällig und wurde abgerissen. Der Kostenvoranschlag für den Neubau lautete auf 104.000 S. In Eigenregie der Pfarrgemeinderatsmitglieder und der Katholischen Jugend konnte das Häuschen 1977 um 61.000 S erbaut werden. Die Gemeinde stellte 15.000 S zur Verfügung. 1980 erfolgten Innenanwurf und Elektrifizierung.

1977 wurde das Friedhofkreuz von der Mitte an die Rückwand versetzt, um den Mittelgang, vor allem bei Begräbnissen, ungehindert passieren zu können. Das Kreuz bekam auch eine würdige Umrahmung (13.000 S). Um auch für die Quergänge die nötige Breite zu erhalten, wurden vier Gräber aufgelassen.

Früher wurden die Verstorbenen im Hause aufgebahrt und am dritten Tag beerdigt. Um 1970 erhielt die Großgemeinde im Friedhof Zellerndorf eine Kühlhalle zum Abstellen der Leichen, sodaß heute das Begräbnis auch später stattfinden kann.

 

 

[ Das Dorf ]    

 

Platt -  von Matthias Fidesser Eine Website rund um das Buch von Matthias Fidesser:

Platt - Ein Weinviertler Dorf in Geschichte und Gegenwart (1998)