Pfarrkirche hl. Ulrich

Die neue Pfarrkirche hl. Ulrich

Die nach Plänen von Alois Lisert (?) erhöht am südöstlichen Ortsrand von Platt errichtete und im Oktober 1849 geweihte große neue Pfarrkirche zeigt sich dem Betrachter als mächtiger frühhistoristischer Bau mit einem schlanken nördlichen Fassadenturm. pfarrkirche1.jpg - 13,45 K

Beschreibung (nach Dehio): Das hohe kubische Langhaus wird mit einem eingezogenen, rund geschlossenen Chor über einer hohen, durch ein profiliertes Gesims abgesetzten Sockelzone abgeschlossen. Die Gliederung ist durch die Färbelung akzentuiert: am Langhaus finden sich Pilaster und große Rundbogenfenster sowie ein profiliertes, konsolgestütztes Traufgesims, an der nördlichen Giebelwand ein kleiner pilastergerahmter Portalvorbau mit Bauinschrift von 1849. Das dreijochige Langhaus mit Kreuzgratgewölben zeigt breite Gurtbögen auf Wandpfeilern mit Pilastern und ein stark verkröpftes Gebälk über einer hohen Sockelzone.
Der Fassadenturm ist durch Pilaster gegliedert und verjüngt sich geschoßweise stark, die nördliche halbjochige Orgelempore steht auf Pfeilern, das Chorjoch ist kreuzgratgewölbt und weist eine Rundapsis auf. Östlich des Chores befindet sich ein kleiner, rechteckiger Sakristeiraum. Der Hochaltar stammt aus der Bauzeit, zeigt einen pilastergerahmten Retabelaufbau mit Segmentbogengiebel und im Altarblatt die Vision des heiligen Ulrich. Der Tabernakel des späthistoristischen Seitenaltares mit einer neugotischen Figur der Maria Immaculata stammt aus der Zeit um 1900. Kanzel und Orgel mit frühhistoristischem Dekor datieren in die Mitte des 19. Jh.s. Vom Anfang des 18. Jh.s stammen hingegen die zwei überlebensgroßen hölzernen Figuren des heiligen Florian und Johannes Nepomuk. Die zwei, den Tod des heiligen Josef und Maria Victoria darstellenden bemerkenswerten Ölgemälde wurden um 1740 von Paul Troger gemalt. Die vierzehn Kreuzwegbilder stammen aus der Mitte des 19. Jh.s.


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Nach 1840 zählte Platt schon 1200 Einwohner. Der Bau einer größeren Kirche wurde daher immer dringlicher. Sonntags mußte ein zweiter Geistlicher aushelfen, weil zwei Messen notwendig waren. Pfarrer Heller ersuchte also dringend um Abhilfe. Daher hat "Abt Sigmund im Herbst 1845 mit seinen Ordensbrüdern den Bau einer neuen Kirche in Platt beschlossen". War doch die 1832 fertiggestellte klassizistische Stiftskirche auch finanziell schon bewältigt, sodaß man sich an ein neues Projekt wagen konnte. Vielleicht wollte sich Abt Sigmund damit auch ein besonderes Denkmal setzen. Der Neubau wurde ziemlich groß projektiert, was man mit der steigenden Einwohnerzahl begründen konnte. "Vielleicht trug man sich aber auch damals schon mit dem Gedanken, die Wallfahrten der alten Ulrichskapelle wieder aufleben zu lassen" (Koller, "Der Hollabrunner Kreis").

Der Beitrag der Gemeinde für den Kirchenbau wurde vom Stift mit 6.000 Gulden festgelegt. Er konnte durch Zug- und Handrobotleistungen abgegolten werden. Nach einer "Rezeption" des Ortsrichters Koller war die Leistung auf die Ortsbewohner wie folgt aufgeteilt: Ganzlehner 124 Gulden, Dreiviertellehner 93 Gulden, Halblehner 62 Gulden, Viertellehner 31 Gulden, kleinere Bauern und Inwohner zwischen 7 und 15 Gulden.

Nun war die Frage des Bauplatzes zu klären. Die Ortsbevölkerung wollte, wie es dem Herkommen entsprochen hätte, einen Platz nahe der Ortsmitte. Sie waren daher für das Gebiet unterhalb des Pfarrhofes, wofür sie gerne, wie aus der Pfarrchronik zu lesen ist, "einige hundert Gulden zusätzlich zum Ankauf einiger Häusel auslegen würden". Abt Schultes und Pfarrer Heller aber waren für eine weithin sichtbare Kirche oberhalb, also am Ostrand des Ortes, und setzten ihre Ansicht durch. Dort wurde ein Acker, 1.880 qukl. (66 a) groß, gekauft und am Südrand des Grundstücks der Grundriß mit 26 Klafter (48,5 m) Länge und 10 Klafter (18,7 m) Breite abgesteckt.

Um die Besorgung des notwendigen Baumaterials kümmerte sich der vom Abt bestellte Baudirektor Kreisingenieur Lenthmötzer, Korneuburg. Dieser bestellte die mit rund einer Million veranschlagte Menge von Mauerziegeln vertraglich bei den Ziegeleien Benedikter in Zellerndorf 300.000 Stück um 2.770 Gulden, Muhm und Kührer in Goggendorf 600.000 Stück um 5.880 Gulden, Krottendorfer in Röschitz 100.000 Stück um 920 Gld und dann noch in Guntersdorf 48.000 Stück um 366 Gulden Die Ziegel wurden von den Platter Bauern so wie die Steine vom stiftseigenen Steinbruch in Zellerndorf, der Sand vom Pulkaubach und Landgerichtsgraben in Zellerndorf und von der neu eröffneten Sandgrube der Gemeinde auf der Platter Sandberghöhe herbeigeschafft. Diese Sandgrube wurde erst 1972 im Zuge der Kommassierung eingeebnet. Stückkalk, der bei der Baustelle in die Kalkgrube gelöscht wurde, brachten die "Kalkbauern" von den Kalköfen Röhrabrunn bei Ernstbrunn 1000 Metzen um 950 Gulden und Untertumeritz bei Geras 4000 Metzen um 3200 Gulden Die Steinmetzarbeiten für Türen, Fenster und Stiegen wurden im Sandsteinbruch Zogelsdorf angefertigt und von unseren Bauern hergeholt. Für die Schlosserarbeiten verpflichtete Ing. Lenthmötzer die Korneuburger Schlosserei Josef Kohn.

Im April 1846 begannen die Bauarbeiten. Das erste Ziel, bis zum Wintereinbruch den Rohbau fertigzustellen, konnte nicht erreicht werden. Erst Mitte 1847 war man bei der Dachgleiche, über die man in diesem Jahr dann nicht mehr hinauskam. Die Bauaufsicht (Pater Burger) klagte über die Saumseligkeit des Baumeisters und zu geringe Mitarbeit der Platter. Erst im Juni 1848 stellte die Zimmerei Wallender, Pulkau, den Dachstuhl auf. Im Juli hat man in Anwesenheit des Abtes in feierlicher Weise den Grundstein zum Hochaltar gelegt und das Turmkreuz aufgesetzt. Vor Wintereinbruch konnte auch noch die Turmkappe fertiggestellt werden. In den Wintermonaten der Baujahre führten die Bauern Erde um den Bau an, um die Abschüssigkeit auszugleichen. Zeitig im Frühjahr 1849 begannen die Putzarbeiten, zuerst innen, dann außen und am 20. Oktober verließen die letzten Handwerker die Baustelle.

Am 21. Oktober 1849 konnte Abt Sigmund die neu erbaute und wohlgelungene Kirche einweihen. Dem festlichen Akt wohnten die Geistlichen der Umgebung und viele Gläubige bei.

1. Die Außenarchitektur

Entsprechend den oben angegebenen Ausmaßen ist eine mächtige Saalkirche entstanden. Die Pläne im Stiftsarchiv sind signiert von Abt Sigmund Schultes als Bauherr sowie von Architekt Alois Lissek und Baumeister Jakob Reischl aus Laa, wohnhaft in Dürnholz (Mähren). Letzterer hatte nach der Pfarrchronik die Bauausführung inne. Somit ist Architekt Alois Lissek als Planer unserer Kirche zu bezeichnen. Er war auch sonst häufig für das Stift Schotten tätig, so hat er auch den Platter Pfarrhof geplant.

Der Kirchenbau ist ohne Vorbilder aus der Vergangenheit entstanden. Er wurde geplant in einer kurzen Bauperiode um die Mitte des 19. Jahrhunderts (zwischen Klassizismus und Neurenaissance), für die man den Begriff "Erste Neue Sachlichkeit" geprägt hat. Er ist ein Musterbeispiel für diese Bauepoche. Zweckmäßigkeit war vorrangig und so entstand eine hohe, geräumige Saalkirche mit guter Sicht zum Hochaltar und viel Licht durch die großen Fenster.

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Grundriß der Platter Pfarrkirche

Beginnen wir beim Kirchenschiff: Je vier gewaltige Pilaster an der Nord- und Südseite gliedern den Baukörper in drei gleich große Segmente, an die sich im Osten Chor und Apsis, im Westen der Turm mit dem Eingangsbereich anschließen. Die quadratischen Säulen, die nur wenig aus dem Mauerwerk hervortreten, beziehen ihre Wirkung aus der wuchtigen Breite von drei Metern. Die Segmente zwischen den Pfeilern werden durch besonders große Rundbogenfenster dominiert. Die Fläche unter den Fenstern wird auf halber Höhe zwischen Boden und Fensterunterkante durch ein rundum laufendes Kranzgesimse gegliedert. Ganz im Sinne der "Ersten Neuen Sachlichkeit" liegen somit die Hauptfunktionen des Tragens (Pilaster) und des Lichtes (Fenster) klar zutage. Mächtige Pfeiler und große Rundfenster dominieren das Bauwerk. Selbst Turm und Dach müssen dahinter zurücktreten. Gegen das Dach zu bildet ein umlaufendes Gesimse mit darunter liegenden friesartigen Stützen einen eindrucksvollen Abschluß. Sockel, Kranz- und Dachgesimse umlaufen das ganze Gotteshaus und halten es wie drei riesige Klammern zusammen. Chor und Apsis sind etwas niedriger als das Schiff, es fehlt auch der Fries des Dachgesimses. Die Rundfenster zu beiden Seiten des Chores sind deutlich kleiner als die des Schiffes. Die Apsis selber ist das einzige Rundelement der ganzen Kirche. Durch diese Sonderung wird der Ostteil des Gotteshauses aus dem übrigen Bau herausgehoben. Der Altarraum als Zentrum ist auch von außen klar erkennbar. Interessant ist, daß Chor und Apsis nur durch eine Lisene getrennt und nicht, wie sonst üblich, auch in Bauhöhe und Struktur voneinander abgesetzt sind.

Bei der Beschreibung des Turmes lohnt es sich, unter der Erde zu beginnen, sind doch die Fundamente fünf Klafter (d. s. mehr als 9 m) tief. Dies geht auf Aushub, z. T. aber auch auf Aufschüttung des gesamten Bauareals zurück. Von der Seite betrachtet wirkt der Turmbereich durch die umlaufend gliedernden Elemente und die gleiche Gesamthöhe bis zum Dachbereich fast wie ein viertes Feld des Kirchenschiffes, das aber gegen die übrige Seitenfront deutlich zurückspringt. Die Fenster sind gleich groß wie die des Chores, werden aber durch zwei kleinere ober- und unterhalb ergänzt. Diese drei übereinander liegenden Fenster nehmen den Blick des Betrachters gefangen und ziehen ihn zum Turm empor. An der Westseite ist der Giebel des vorspringenden Eingangsbereiches noch ausgesprochen klassizistisch. Davon abgesehen setzt sich das Widerspiel senkrechter Pilaster bzw. Lisenen und der Rundbogenfenster auch in diesem Bereich fort. Eine Besonderheit bilden die Lisenen unmittelbar links und rechts des Tores, die sich über dem Fenster zu einem Rundbogen wölben.

Der Turm selber sitzt auf einer aus der Westmauer aufragenden, sich dreimal verjüngenden Basis, die durch ihre mehrfachen Gesimse die Horizontale besonders betont. Die Turmkonstruktion besteht aus einem quadratischen Quader, einem etwas kleineren aufgesetzten Würfel und obenauf, sich nochmals verjüngend, wieder einem Quader. Die Ecken der einzelnen Element sind im 45°-Winkel abgeschrägt, sodaß je zwei selbständige Lisenen nach jeder Seite möglich werden. Die Rundfenster der Kirche werden am Turm von hohen Rundbogenfenstern abgelöst. Der Würfel in der Mitte enthält die Turmuhr mit ihren vier Zifferblättern. Die Turmspitze wird von einer Kupferkuppel mit einem vier Meter hohen durchbrochenen Kreuz gebildet. Die Gesamthöhe des Turmes beträgt 48,5 Meter, ist also gleich der Länge der Kirche.

2. Ein Gang durch die Kirche

Durch das mächtige Tor an der Westseite betreten wir einen geräumigen Vorraum. Links führt eine Tür in die sogenannte Taufkapelle, die dzt. als Abstell- und Geräteraum dient. Die rechte Tür öffnet das Stiegenhaus zur Orgelempore und zum Turm. Wir durchschreiten den Windfang und stehen im Kirchenschiff, einer hohen, lichten Halle mit zwei Bankreihen für etwa 250 Personen. Zwischen den Bänken liegt ein breiter Gang, der einen freien Blick auf den Altarraum gewährt. An den Seiten befinden sich schmälere Gänge. Zusätzlich zu den Bänken stehen noch mindestens 500 Stehplätze zur Verfügung. Wir treten unter der Orgelempore, die von zwei Pfeilern gestützt wird, hervor und heben den Blick zu den drei gewaltigen Kreuzgewölben des Kirchenschiffes, den vier sie tragenden Gurten und den Bögen zwischen den Pfeilern. So stark diese Pfeiler auch wirken, waren sie doch nicht in der Lage, die Last dieser Gewölbe zu tragen. Bereits 1890 wurde es notwendig, die Gewölbe abzunehmen und eine formgleiche Holzkonstruktion an den verstärkten Dachstuhl zu hängen. Gewölbe und Gurten sind völlig schmucklos, was Weite und Höhe der Kirche noch betont. Die quadratischen Pfeiler, die weit ins Kirchenschiff vorspringen, werden oben durch Friese und gesimsartige Kapitele abgeschlossen. In den Feldern zwischen den Pfeilern liegen unter den Längsgurten eingebettet die großen Rundfenster, die jeden Winkel mit Tageslicht füllen.

Sehr eindrucksvoll ist der Triumphbogen, der das Schiff gegen das Presbyterium abgrenzt. Die beiden Pfeiler entsprechen in ihrer Art denen des Schiffes, sind aber wesentlich schlanker. Zwischen ihnen spannt sich der hohe Triumphbogen, und so wie die beiden Pfeiler die Breite auf das Chorquadrat einengen, mindert er die Höhe und konzentriert das Interesse des Betrachters auf den Hochaltar.

Das Chorquadrat selbst, das wir über zwei Stufen betreten, trägt wieder ein Kreuzgewölbe, wobei sich die beiden Pfeiler des Triumphbogens gegen die Apsis wiederholen. Diese, selbst halbrund, weist rechts und links des Hochaltars zwei ebenfalls halbrunde Nischen auf, die die einzige bauliche Gliederung darstellen. Oberhalb von Fries und Gesimse schließt eine Halbkuppel die Apsis ab, läßt sie somit niedriger erscheinen und vollendet die mit dem Triumphbogen begonnene Konzentration auf den Hochaltar.

Drehen wir uns jetzt um, fallen uns das große Fenster der Orgelempore und das darüberliegende Tonnengewölbe auf. Die sechs Felder der Brüstung mit dem dazwischenliegenden Brustwerk und dem Manuale der Orgel binden die Empore organisch in das Kirchenschiff.

3. Altäre, Bilder, Einrichtung

Der Bau einer so großen Dorfkirche hatte dem Stift außerordentliche Ausgaben abverlangt, sodaß an der Einrichtung sehr gespart werden mußte. Anfangs beschränkte man sich auf das Allernotwendigste: Altar, Kanzel, Orgel, Heiliges Grab und Gestühl. Die drei vorhandenen Glocken blieben vorerst noch auf dem "Alten Turm". Auch von dieser bescheidenen Einrichtung war nicht alles neu, wie auch später noch manches abgelegte Inventar anderer Kirchen nach Platt kam. Besonders die Wiener Schottenkirchen schenkten gerne, wenn sie dafür Neues bekamen. Aber auch durch private Schenkungen verbesserte sich die Ausstattung der Kirche allmählich.

a) Der Hochaltar

Ursprünglich bestand der Hochaltar nur aus dem - wahrscheinlich neuen - Altartisch, der Mensa-Tabernakel-Gruppe und den beiden anbetenden Engeln. Auch das Altarbild hing nackt an der halbrunden Ostwand der Apsis. Es stammt von Johann Neugebauer, einem Maler, der des öfteren für das Stift Schotten tätig war: Im Format 320 mal 230 cm stellt es in spätklassizistischer Tradition die Vision des hl. Ulrich dar. Ein Engel überreicht dem Heiligen ein Kreuz. Im Hintergrund erkennen wir eine romantische Stadtansicht, darüber drei Putti. Die Szene bezieht sich auf die Schlacht auf dem Lechfeld (955), wo Ulrich, der Bischof von Augsburg und Patron der Platter Kirche um den Sieg des kaiserlichen Entsatzheeres gegen die bis Augsburg vorgedrungenen und die Stadt belagernden Magyaren betet. 1855 kauft Abt Schultes aus der aufgelassenen Kirche in der Jägerzeile in Wien die beiden Reliquienobelisken, die ins Hochbarock einzuordnen sind (um 1730). 1856 erhielt auch das Hochaltarbild einen würdigen Rahmen. Der Abt ließ bei einem Wiener Vergolder für 300 Gld. eine Altarwand (Retabel) in korinthischer Doppelpilastergliederung, mit einem Auge Gottes im Bogenfeld des Giebels, vergoldet und marmoriert, anfertigen. Drei Platter Pferdefuhrwerke holten die Wand in Wien ab. Der Vergolder besorgte auch eine "wunderliebliche Statue" (Pfarrchronik) der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Diese "Muttergottes mit dem blauen Mantel" stand bis zur Kirchenrenovierung 1959 auf dem Tabernakel. Nachher stellte sie der damalige Pfarrer als vermeintliche Lourdestatue auf den Marienaltar. 1965 kam die richtige Statue der Maria von Lourdes wieder auf ihren Platz. Die "Blaue Muttergottes" steht heute auf dem rechten Seitenaltar.

1878 ließ eine Frau Untermayer aus Wien von K. Bennhofer ein 400 mal 270 cm großes Fastenbild für den Hochaltar anfertigen. Es stellt Jesus am Ölberg und die schlafenden Jünger dar. Das Kreuz über dem Hochaltar wurde erst 1902 von Pfarrer Bayer angeschafft, nachdem Weihbischof Marschall bei seiner Visitation ein solches vermißt hatte.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde 1965 im Chorquadrat ein Volksaltar aufgestellt. Damals wurde auch die erst 1939 vom Pfarrprovisor Pfundstein angeschaffte Kommunionbank zwischen Kirchenschiff und Presbyterium wieder entfernt.

b) Seitenaltäre

1853 ließ der Abt "zur Beförderung der Ehre Gottes und des Seelenheiles der Gemeinde" die beiden Seitenaltäre im vorderen Joch des Kirchenschiffes errichten. 1904 spendete eine Witwe Bodensteiner aus Wien für den linken Seitenaltar eine Herz-Jesu-, für den rechten eine Herz-Mariae-Statue. Die letztere ist leider nicht mehr vorhanden. Mit dem Marien- oder Lourdes-Altar in der Mitte der rechten Längswand werden wir uns im Kapitel Platt als Wallfahrtsort (Seite 89) beschäftigen.

c) Kanzel

Die Kanzel war ursprünglich an der linken Stirnwand des Schiffes mit Zugang von der Sakristei, wo die Tür noch vorhanden ist. Bei der Kirchenrenovierung 1890/91 mußte sie abmontiert werden. Am zweiten Pfeiler der Nordseite wurde damals ein Provisorium errichtet, das akustisch viel besser entsprach, sodaß die Kanzel nach der Renovierung hier ihren endgültigen Platz fand. Damals wurde auch der Aufstieg mit der in Felder gegliederten Wand angefertigt. Die gesamte Kanzel ist aus marmoriertem Holz. Im Schalldeckel finden wir eine reliefartige Abbildung des Heiligen Geistes als Taube im Strahlenkranz. Das große Feld an der Stirnseite der Brüstung enthält ein sehr schönes Benediktuskreuz, das sich durch die vier Buchstaben C.S.P.B (d. h. "crux sancti patris Benedicti" = das Kreuz des hl. Vaters Benedikt) als solches ausweist. Die weiteren Initialen der Inschrift beziehen sich auf die Lebensgeschichte des Heiligen. Im senkrechten Kreuzbalken heißt es: "Das hl. Kreuz sei mir Licht", im waagrechten: "Nicht der Teufel sei mein Führer", und das umlaufende Schriftband lautet: "Weiche Satan, versuche mich nicht. Schlecht ist, was du kredenzest, trink das Gift selbst!" (Nach einer Legende wollten Ordensbrüder den Abt Benedikt ob seiner Strenge vergiften. Als dieser aber zum Trinken ansetzte, zersprang der Giftbecher. Benedikt beschuldigte den Teufel als Verführer und bat Gott um Verzeihung für seine Brüder. Dann zog er sich in die Einsamkeit zurück.)

d) Bilder

Den, vom Hochaltarbild abgesehen, ersten Wandschmuck der Kirche bildeten die beiden Gemälde von Jakob Schell "Maria mit dem Jesukind" und "Petrus und Paulus", die jetzt unter der Orgelempore hängen. An ihren ersten Platz über den beiden Seitenaltären kamen nach der Renovierung 1891 die beiden wertvollsten Gemälde der Kirche: "Der Tod des hl. Josef" und "Maria vom Siege" von Paul Troger. Beide Hochformatbilder sind 260 mal 200 cm groß und dürften um 1740 entstanden sein. Die Bilder hingen ursprünglich in der Niklaskirche in Wien-Landstraße, später in der Schottenfeldkirche (Wien 7.), von wo sie schließlich 1857 nach Platt kamen. 1963 wurden die spätbarocken Werke restauriert und bei der Barockausstellung im Stift Altenburg gezeigt. 1981 waren sie bei der Haydn-Ausstellung in Rohrau. Seit 1856 hing an der Südwand des Presbyteriums das Bild "Die Heilige Familie" des Italieners Sebastian Ricci. 1970 wurde es angeblich ins Stiftsarchiv geholt. Als Ersatz wurde von Dechant Franz Mantler ein "Rosenkranzbild" angeschafft. Gegenüber, über der Sakristeitür, finden wir das 320 mal 180 cm große Bild "Maria Verkündigung". Das Bild aus dem späten 18. Jahrhundert wurde der Kirche von Abt Dr. Hauswirth anläßlich eines Besuches 1881 geschenkt. Damals spendete er der Kirche auch noch sechs Hochaltarleuchter, vier Windlichter und ein Meßgewand aus rosaroter Seide mit Silberborten und großen Blumen. Im zweiten Joch hängt an der Nordseite über der Tür zum Heiligen Grab das Gemälde "Christi Auferstehung" des aus Platt stammenden Malers Maximilian Frey (signiert auf dem Schild des Wächters). Das Werk wurde 1851 von der Platter Bevölkerung gespendet. Auf der Inschrift am Sockel des Grabes lesen wir: "Durch milde Beiträge der Ortsgemeinde Platt angeschafft zu Ostern MDCCCLI."

e) Kreuzweg

Die vierzehn Ölbilder des Kreuzweges (je 140 mal 70 cm) hat 1869 die Witwe Untermayer, eine gebürtige Platterin aus Wien, gespendet, die 1879 auch noch das Fastenbild für den Hochaltar gestiftet hat. Die Kreuzweggemälde entstammen der um die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr beliebten Nazarenischen Schule.

f) Statuen

Vor den Säulen des Triumphbogens stehen zwei überlebensgroße holzgeschnitzte Statuen, deren linke den hl. Johannes von Nepomuk, die rechte den hl. Florian darstellt. Die spätbarocken Skulpturen (um 1750) wurden 1961 durch Pfarrer Brandstetter von der Kirche in Breitensee erworben.

g) Die Orgel

Pfeifenwerk und Mechanik der Platter Orgel stammen zum Großteil von der barocken Orgel der dem Stift Schotten inkorporierten St. Ulrichskirche in Wien. An ihrer Stelle hat der bekannte Wiener Orgelbauer Josef Loypt (1801 bis 1877) zwischen den Jahren 1834 und 1842 eine neue Orgel gebaut, der das alte Positiv von 1794 belassen wurde.

Als Loypt 1849 vom Abt des Stiftes Schotten, Sigmund Schultes, den Auftrag erhielt, die neue Kirche in Platt mit einer der Größe des Gotteshauses entsprechenden, aber doch möglichst billigen Orgel auszustatten, verwendete dieser hierzu die abgelegten Teile der alten St. Ulrichsorgel von Wien, die 1794 die Wiener Orgelbauer Helmich und Maleck gebaut haben, für das Hauptwerk (in den zwei rückwärtigen Kästen). Das Positiv vor dem Spieltisch hat Loypt aus der kleinen Orgel der alten Platter Kirche dazugebaut, die von dem Znaimer Orgelbauer Josef Silberbauer stammt (1796).

Auf einem Plan im Stiftsarchiv für das Gehäuse der Loyptorgel von St. Ulrich in Wien (signiert mit "Deutschmann 1841") sieht das Wiener dem Platter Orgelgehäuse zum Verwechseln ähnlich. Letzteres ist also eine Nachahmung vom ersteren in schlichter klassizistischer Art. Das zweiteilige Hauptwerk und das dreiteilige Positiv sind dabei jeweils durch große Dreiecksgiebel bügelartig verbunden. Ein Schauloch in der Mitte des Spieltisches erlaubt dem Organisten den Blick auf den Hochaltar. Die Chorbrüstung ergibt vom Hochaltar aus gesehen ein gelungenes Bild. Zuletzt wurde die Orgel 1992 renoviert und gestimmt, was 40.000 S kostete.

h) Krippe und hl. Grab

Zur Weihnachtszeit steht auf dem Tisch des Josefs-Altars (linker Seitenaltar) eine schöne Krippe. Sie wurde 1854 vom Wiener Gold- und Silberglätter Josef Pazelt, einem gebürtigen Platter, gespendet.

Das hl. Grab befindet sich in dem kleinen Raum gleich neben der Kanzel. Der war ursprünglich Vorraum eines Seiteneingangs, der bei der Renovierung 1984/86 endgültig zugemauert wurde. Das hl. Grab kam 1850 als Spende der Schottenfelder Pfarre nach Platt und wurde in einem Holzverschlag rechts unterhalb der Orgelempore untergebracht. Bei der Innenrenovierung 1959 wurde dieser Raum abgetragen und das hl. Grab an seinen jetzigen Standort verlegt. Den lebensgroßen Corpus Christi spendete 1911 der Abt Leopold Rost auf Bitten von Pfarrer Berthold Bayer.

4. Die Kirchenglocken

Bereits 1685 wird für die Ulrichskapelle ein "Glöckerl" mit 25 Pfund (d. s. 12,5 kg) erwähnt, das im selben Jahr in Znaim "umgegossen und 58 Pfund schwer gemacht" wurde. 1731 (oder 1737) waren schon zwei Glocken vorhanden, die der Zellerndorfer Pfarrer Isidor Kurz von 97 bzw. 58 Pfund auf zwei größere mit 166 bzw. 99 Pfund umgießen ließ. 1748 wurde dann von P. Lambert Rirsch und dem Ortsrichter Andreas Klein eine dritte, 224 Pfund schwere Glocke angeschafft.

Als 1811 die östliche Dorfhälfte und die Kirche abbrannten, gingen auch zwei Glocken verloren. Schon 1812 wurde wieder eine neue gekauft. Diese Glocke wog 100 Pfund. Aus dem Schmelzmaterial der beiden beim Brand abgestürzten Glocken ließ man wahrscheinlich eine weitere neue gießen, da bald wieder drei Glocken erwähnt werden. Dieses Geläute blieb bis 1852 am "Alten Turm".

In diesem Jahr brach während der Fronleichnamsprozession der morsche Glockenstuhl ein, wobei die große Glocke abstürzte. Man zimmerte also auf dem neuen Kirchturm einen Glockenstuhl und montierte die mittlere Glocke als vorläufiges Geläute. 1853 bestellte der Abt in Wiener Neustadt drei neue Glocken. Die abgestürzte mit ihren 424 Pfund wurde in Zahlung gegeben. Die kleine blieb als "Zügenglöcklein" auf dem "Alten Turm". Die neuen Glocken wurden vom Abt in Wien geweiht, mit Pferdefuhrwerken abgeholt und ohne viel Feierlichkeiten auf den Turm gebracht. Dieses Geläute soll besonders wohlklingend gewesen sein.

1917 mußten vier der fünf Glocken der Kriegsrüstung geopfert werden. Die drei 1853 angeschafften und das "Zügenglöcklein" wurden eingeschmolzen. Nur die zersprungene "Scheppern" blieb als Notgeläute übrig. 1923 wurde sie für drei neue Stahlglocken in Zahlung gegeben. Für das neue Geläute mußten durch Ortssammlungen 30 Millionen Kronen aufgebracht werden. Daß das Geld in dieser Inflationszeit ziemlich locker saß, beweist die Tatsache, daß bei der Glockenweihe am 8. September 1923 die Festabzeichen ausgingen. Fast 5.000 Menschen sollen teilgenommen haben. In einem historischen Festzug, für den Pfarrer Frühauf die Kostüme in Wien besorgte, wurden die drei Glocken auf geschmückten Pferdewagen und begleitet von Glockenpatinnen und "weißen Mädchen" zur Kirche gebracht und unter Musikbegleitung aufgezogen. Bald konnte man das schöne Geläute hören. Die Platter Glocken sind in As-Dur aufeinander abgestimmt: As: "Die Große - Herz-Jesu-Glocke" (816 kg), C: "Die Zwölfer - Herz-Mariae-Glocke" (469 kg), Es: "Die Elfer - Hl. Josef-Glocke" (303 kg).

1966 ließ P. Lambert Koptik das Läutwerk elektrifizieren. Kosten 53.000 S, wofür die Gemeinde 20.000 S beisteuerte. Der Rest wurde durch Ortssammlungen innerhalb von zwei Jahren aufgebracht.

5. Die Turmuhr

Der neue Kirchturm bekam seine erste Uhr 1853, eine Uhr, die "Viertel schlägt und goldene Zeiger hat", wie wir in der Pfarrchronik lesen. Das Zifferblatt hatte römische Ziffern. Natürlich war die Uhr nicht neu. Die Schotten hatten "den Plattern die alte Stiftsuhr geopfert" und für 280 Gld. reparieren und nach Platt transportieren lassen. Trotz ihres hohen Alters erfüllte sie noch fast hundert Jahre ihre Pflicht. Im Zweiten Weltkrieg blieb ihr aber die notwendige Betreuung versagt und so blieb sie für immer stehen.

Nach Kriegsende bemühte sich Pfarrer Schinkmann um eine neue Uhr. 1948 war die Finanzierung gesichert: Stift und Gemeinde zahlten je S 5.000, die katholische Jugend S 1.700. Eine Ortssammlung erbrachte S 3.500 bar und S 7.500 aus dem Erlös von 500 Liter gesammeltem Wein, à 15 S. Am 17. August konnte Abt Peichl die neue Turmuhr im Rahmen eines großen Festes feierlich einweihen. Doch auch diese Uhr hat ihren Dienst bereits quittiert. 1996 mußte sie durch eine neue ersetzt werden.

6. Platt als Wallfahrtsort

Schon zu Zeiten der alten Ulrichskapelle war Platt eine Art Wallfahrtsort. Jedes Jahr fand eine Kirchweihprozession von Zellerndorf nach Platt statt. In Dürrejahren kamen zusätzliche Prozessionen (zumeist auf dem Weg nach Maria Dreieichen) zum hl. Ulrich und flehten um Schutz gegen Mäuseplage und um Regen. Möglicherweise hat man schon beim Bau der neuen Kirche an das Wiederaufleben von Wallfahrten gedacht. Die Größe des Gotteshauses deutet jedenfalls darauf hin.

Den Beginn der Marienwallfahrt beschreibt Pfarrer Hiltscher in der Pfarrchronik: "Am 25. Dezember 1883 erhielt unsere Pfarre ein schönes Geschenk. Frau Sobichart aus Wien, die sich vergangenen Sommer einige Wochen in Platt aufhielt und auf mein Anraten in ihrem schweren Anliegen zu unserer Lieben Frau von Lourdes Zuflucht nahm, schickte aus Dankbarkeit für die wunderbare Erhörung ihrer Bitten eine fünf Schuh große, prachtvolle, aus Holz geschnitzte Statue "Unsere liebe Frau von Lourdes" mit der Bitte, daß sie in der Kirche aufgestellt werde, und mit der Aufforderung an die Bewohner, in ihren Nöten und Anliegen zu ,Unserer Lieben Frau von Lourdes’ Zuflucht zu nehmen."

Am 31. Jänner 1884 wurde die Statue in Anwesenheit von zehn Priestern und vielen Menschen aus der Umgebung feierlich geweiht. Durch eine Sammlung im Ort und durch beträchtliche Spenden von auswärts (der Abt gab die erste Spende in Höhe von 50 Gld.) wurden schnell 600 Gld. aufgebracht, sodaß ein Marienaltar angeschafft werden konnte. Am 15. Oktober wurde er als würdiger Rahmen für die Statue an der Südwand des mittleren Jochs aufgestellt.

Schon in den ersten Jahren kamen viele "Kreuzscharen", meist aus dem unteren Pulkautal, aber auch Südmährer, die auf dem Weg nach Maria Dreieichen den kleinen Umweg nicht scheuten. Auch Lourdeswasser war vorhanden. So vermerkt die Chronik 1886: "Über den Winter wurden 20 Liter Lourdeswasser verbraucht." Kranke kamen, um unter Gebet und Anwendung des Lourdeswassers Heilung zu erflehen. Pfarrer Hiltscher schreibt in der Chronik, daß während seines Hierseins (bis 1886) vier wunderbare Heilungen vorgekommen seien.

Zum Dank für die Erhörung von Bitten wurden Votivbilder gespendet. Josef Jäger aus Platt und seine Kinder stifteten z. B. eine Statue der Schmerzhaften Muttergottes, die in der Nische an der Außenseite der Mauer des alten Friedhofes feierlich eingesetzt wurde. Zur Verschönerung des Gnadenaltars widmete der Prior des Stiftes der Muttergottes einen gold- und silberdurchwirkten Schleier und einen Rosenkranz. 1887 kam noch ein schöner Teppich vor den Marienaltar.

Um die Jahrhundertwende nahm die Zahl der Wallfahrten rasch ab. Nach dem Ersten Weltkrieg kamen nur noch zwei "Kreuzscharen" aus Pfaffendorf (1923 und 1945) sowie eine aus Pulkau (1940).

7. Kirchenrenovierungen

Nach der Fertigstellung gab es an der Kirche genau dreißig Jahre lang keine Beanstandungen. 1879 bemerkte dann Pfarrer Hiltscher immer größer werdende Risse an Decke und Mauerwerk. Zuerst führte man diese Erscheinung auf das Erdbeben von 1876 zurück, aber der zugezogene Bausachverständige, Baumeister Böhm aus Retz, stellte fest, daß die hohen Pfeiler im Mauerwerk dem schweren Ziegelgewölbe der Decke nicht stand hielten, weil der Grund "schleuderhaft gemacht wurde und daher nachgab". So ließ man 1880 die Pfeilerfundamente verstärken und hielt den Bau weiterhin unter fachmännischer Beobachtung. Bald zeigten sich die alten Risse wieder. Eine Baukommission stellte im Jahre 1884 als Ursache das zu schwere Ziegelgewölbe und den unsachgemäß konstruierten Dachstuhl fest, die das Mauerwerk nach außen drängten. So versuchte man, die Pfeiler durch Schließen zusammenzuhalten, was aber nicht gelang.

Am 26. Jänner 1890 erschreckte während der Segenandacht das Geräusch abbröckelnden Mörtels die Gläubigen und Pfarrer Mosheimer (Pfarrchronik). Der Mörtel hatte sich rückwärts von der Nordwand gelöst. Darauf trat eine "Große Baukommission" zusammen, die anordnete: "Zur Sicherung ist unter dem Gewölbe ein tragfähiges Gerüst zu errichten, dann das Ziegelgewölbe durch eine leichtere Decke zu ersetzen und der Dachstuhl durch Schließen und Verschraubungen besser zusammenzuhalten. Zur Untersuchung der Fundamente ist an mehreren Stellen an den Grundmauern aufzugraben." Zu diesem Zweck hat aber das Stift schon vorher an der Nordseite der Kirche einen 10 m tiefen Brunnen graben lassen, und am Aushubmaterial konnte man feststellen, daß der Grund fester, tragfähiger Lehmboden ist.

Da die Bezirksbehörde das Gotteshaus zu sperren drohte, ordnete der Abt die sofortige Restaurierung der Kirche an. Die Kosten übernahm das Stift. Im Juli wurden die ersten Waggons Gerüstholz aus Wien per Bahn nach Zellerndorf und von da mit Fuhrwerken der Bauern nach Platt gebracht. Am 14. Juli begannen Wiener Zimmerleute unter Anleitung des Hofbaumeisters Schmalzhofer das Gerüst aufzustellen. Ende September war das Gewölbe abgetragen. Noch vor Wintereinbruch sollte das in Wien aus Holz gefertigte und in seinen Teilen per Bahn hierher verfrachtete "Abbild der alten Decke" montiert werden. Der sie mittragende Dachstuhl mußte verstärkt und besser abgebunden werden, um den Druck in die Senkrechte zu verlagern.

Im Frühjahr 1891 begann man, das Kircheninnere wiederherzustellen: Mörtelanwurf, Stuckarbeiten und Färbelung wurden erneuert, Altäre und Kanzel neu marmoriert, Bilderrahmen, Gestühl, Chorbrüstung und Orgelgehäuse frisch gestrichen. Der Fußboden erhielt ein neues Klinkerpflaster, der Eingang neue Granitstufen, die Chorstufen wurden ausgebessert.

Im August kamen zwei Vergolder aus Wien. Sie reinigten die Bilder und strichen die Rahmen, marmorierten und vergoldeten die Altäre und die Kanzel. Die vergoldeten Rahmen der großen Bilder lackierten sie schwarz mit schmalen Goldstreifen. Chorbrüstung, Orgelkästen, Stühle und Türen haben sie ebenfalls gestrichen. Auch der Windfang beim Haupteingang wurde damals angefertigt. Die Kanzel, die sich früher am Sakristeipfeiler befunden hatte, kam der besseren Akustik wegen an den ersten linken Seitenpfeiler und benötigte daher eine neue Stiege. Der Lourdes-Altar wurde an seinen jetzigen Platz versetzt. Über die beiden Seitenaltäre hängte man statt der beiden Bilder Jakob Schells "Petrus und Paulus" und "Maria mit dem Jesukind" die zwei Gemälde von Paul Troger: "Tod des hl. Josef" und "Maria vom Siege".

Im Herbst wurden die Außenarbeiten beendet, wobei man das Gesimse neu erstellte: Die 60 cm ausladenden Steinplatten wurden mit eisernen Schrägstützen unterfangen, "die in ihrer Verkleidung eine schöne Verzierung der Kirche ergeben". Die Gesamtkosten der Renovierung beliefen sich auf 30.827 Gld. Schließlich wurde auch noch der Pfarrhof renoviert. Am 18. Oktober 1891 konnte das prächtig wiederhergestellte Gotteshaus feierlich eingeweiht werden. Im Dezember wurden auch noch an der Orgel Klaviatur, Blasebalg und mehrere Pfeifen erneuert.

Die Zeit bis nach dem Zweiten Weltkrieg überstand unsere Kirche dann ohne größere Erneuerungsarbeiten. Dann allerdings gab es viele Mängel zu beheben: 1946 ließ Pfarrer Schinkmann-Langner die schon während des Krieges stumm gewordene Orgel wieder instand setzen. 1947 wurde das Kirchendach abgedichtet und 1948 eine neue Turmuhr angeschafft.

Unter Pfarrer Brandstetter erfolgte 1955 eine Außenrenovierung, 1958 die Neuelektrifizierung und 1959 eine Innenrenovierung unserer Kirche. Aus dem Ertrag einer Ortssammlung konnten sechs neue Luster für das Hauptschiff angeschafft werden.

Die Außenrenovierung von 1955 hielt allerdings kaum dreißig Jahre. Die Farbe verblaßte, Mörtel bröckelte ab, und die Kirche präsentierte sich in häßlichem Grau. Daher nahm Dechant Mantler gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat eine neuerliche Renovierung in Angriff. Sie wurde 1984 bis 1986 durchgeführt. Der alte Verputz wurde von den Plattern in Eigenregie abgeschlagen. Spritzbeton, Grob- und Feinputz sowie eine neue Färbelung wurden aufgebracht. Das Dach wurde mit "Wiener Taschen" neu eingedeckt, der Turm erhielt eine neue Kupferblechkappe und die Turmuhr vier neue Zifferblätter aus Polyesterharz.

Die gesamte Renovierung kostete 3,6 Mio. S, wovon die Ortsbevölkerung 132.000 S in Form von Eigenleistung aufbrachte. Der Rest wurde wie folgt finanziert: Stift Schotten S 1.170.000, Erzdiözese Wien S 1.550.000, NÖ Landesregierung S 155.000, Gemeinde S 100.000. Außerdem erhielt die Pfarre von der Erzdiözese ein unverzinsliches Darlehen von S 500.000, rückzahlbar in 10 Jahresraten. Dieser Betrag wird durch Monats- und Jahressammlungen von der Pfarre selbst aufgebracht. 1990 brachte es Dechant KR Mantler auch noch zustande, für die Innenrenovierung unserer Kirche S 500.000 aufzubringen.

 

 

 

[ Das Dorf ]    

 

Platt -  von Matthias Fidesser Eine Website rund um das Buch von Matthias Fidesser:

Platt - Ein Weinviertler Dorf in Geschichte und Gegenwart (1998)