Sagen über Platt

Das verschwundene Platter Schloß

Was die Entstehung und das Alter vom Orte betrifft, so soll nach Aussage der ältesten Männer, die es von Vorfahren gehört haben, außer dem Dorfe beim sogenannten Holzbrunnen ein Schloß gestanden sein, welches im Jahre 1400 durch Erdbeben zu Grunde ging, und an dessen Stelle das Dorf Platt angelegt wurde. Es dürfte auch sein, daß von daher der Ort den Namen erhalten hat, nämlich daß die Stelle des vernichteten Schlosses Platt, oder eben war, denn von der Lage des Ortes selbst kann unmöglich diese Benennung herrühren, weil solche nicht flach ist, ja ein Theil des Ortes sogar zwischen den Berg und die nahen Feldmarken am Abhange gewissermaßen eingeengt erscheint.

Aus: F. X. Schweickhardt, Darstellung des Erzherzogtums Österreich unter der Enns, Wien 1831- 1841.

Siehe auch: Auf der Suche nach dem verschwundenen Platter Schloß

 

Die Kirche in Platt

Von Zellerndorf aus gelangt man nach halbstündiger Wanderung in das Dorf Platt, von dem die Leute weit und breit behaupten, daß es inmitten der Welt gelegen sei. Wohl bezweifeln dies auch manche und sagen spöttisch: "Plot liegt mitten im Kot."
Auf einer Anhöhe am Ende des Ortes erhebt sich eine schöne Kirche, nach der früher viele Wallfahrten unternommen wurden. Über die Entstehung dieses Gotteshauses berichtet die Sage folgendes:

Die Bewohner von Platt trugen dem Baumeister auf, ihnen ein besonderes Kunstwerk zu schaffen. Dieser grübelte Tag und Nacht und zeichnete Pläne um Pläne, von denen aber keiner den stolzen Plattern gefallen wollte. Darob verzweifelte fast der gequälte Meister. Als er eines Abends wieder gebückt vor seiner Arbeit saß, ging plötzlich die Tür auf und ein eigentümlich aussehender Mann trat ein. Sein Gesicht war fahl und finster, ein langer grauer Mantel bedeckte seine hagere Gestalt, ein spitzes Hütlein mit einer mächtigen Feder saß auf seinem Kopfe. Unaufgefordert setzte er sich auf die Bank und sprach: "Warum so traurig, Herr Meister?"
Dieser erzählte ihm sein Mißgeschick.
"Euch kann geholfen werden", sagte der Fremde. "Hier habe ich einen Plan, der jedem gefallen wird, besonders aber den eigensinnigen Plattern. Schreibt bloß auf dieses Blatt mit einem Tropfen Blut Euren Namen her und der Plan soll Euer sein!"
Jetzt wußte der Baumeister auch, daß der Teufel vor ihm stand. Erschreckt sprang er auf und weigerte sich, seine Seele zu verkaufen. Aber der Böse wich nicht von seiner Seite und redete unaufhörlich von Gold, von Ehre und Ruhm, bis der Baumeister nicht mehr widerstehen konnte und alles tat, was der Satan von ihm haben wollte.
Das Gotteshaus war fertig. Die Platter veranstalteten nun ihrem berühmt gewordenen Meister ein rauschendes Fest. Den Höhepunkt erreichte dieses in der Kirche, die festlich geschmückt war. Groß und klein füllte den Raum, Mädchen in weißen Kleidern umgaben huldigend den Meister. Aus nah und fern waren die angesehensten Männer gekommen, und ihre Lobreden wollten kein Ende nehmen. Da geschah plötzlich etwas Unerwartetes.
Ein Mann, den niemand zuvor in der Kirche gesehen hatte, trat auf den Meister zu, hohnlachend, indes seine Augen Feuer sprühten.
"Nun wollen auch wir Rechnung machen!" rief er mit schriller Stimme, die allen Anwesenden durch Mark und Bein ging. Man sah noch, wie der schreckliche Geselle seinen Mantel um den Unglücklichen breitete und mit ihm unter furchtbarem Donnergepolter wie ein Blitz durch die Decke fuhr.
Noch heute gedenkt man mit Schaudern des unglückseligen Meisters.

Aus: Alois Schneider, Sagen aus dem Pulkautal, 1923.

 

Siehe auch: Erdställe