Tierische Schädlinge in der Landwirtschaft

Mäuseplagen

Mäuseplagen bedrohten schon immer die Landwirtschaft am heftigsten. Diese Schädlinge vermehren sich in niederschlagsarmen Jahren ungeheuer stark und richten an den Kulturpflanzen großen Schaden an. Seit Anfang dieses Jahrhunderts streut man als wirksames Bekämpfungsmittel Giftkörner vor die Mäuselöcher. Früher einmal vertraute man auf Gottes Hilfe, um dieser Nager Herr zu werden. Der hl. Ulrich ist der Schutzpatron gegen tierische Schädlinge in der Landwirtschaft. Daher zogen in argen Mäusejahren Bittprozessionen zu Ulrichsheiligtümern, so wahrscheinlich auch zur Ulrichskapelle in Platt.

Heuschrecken

Heuschreckenplagen waren einmal die gefürchtetsten Heimsuchungen bei unseren Bauern. Gegen sie war man machtlos, während heute auftretende Schwärme chemischen Mitteln rasch unterliegen. Daher kommen sie jetzt gar nicht mehr bis zu uns. Die Heimat der Wanderheuschrecken ist der Orient. Sie sind verwandt mit den bei uns vorkommenden Grillen und ähnlich und gleich groß unseren grünen Laubheuschrecken ("Heuhupfer" genannt), haben aber viel stärkere Sprungbeine, sägeartige Freßwerkzeuge und silberglänzende Flügel. In ihrer Freßgier nach Gras und Laub (Weinlaub meiden sie!) wandern sie weite Strecken, die ausgewachsenen Tiere knapp über dem Boden fliegend, die flügellosen Larven hüpfend. Durch ihr eintöniges Gesurre sind sie schon weithin hörbar, und an Ort und Stelle verbreiten sie argen Gestank. Aufgrund ihrer starken Vermehrung erreichen die Schwärme Ausdehnungen von mehreren Quadratkilometern und eine Dichte, daß sie die Sonne verfinstern. Sie fliegen bei Nacht und wo sie sich morgens niederlassen, ist am Abend alles kahlgefressen.

Die Schrattenthaler Chronik berichtet von Heuschreckenschwärmen in unserer Heimat in den Jahren: 1242/43/82 und 1335/38. Kaiser Karl IV. sah anläßlich seiner Reise nach Prag i. J. 1338 bei Pulkau einen Heuschreckenschwarm "7 Meilen (ca. 50 km) lang und 35.000 Schritte (25 km) breit: Um 9 Uhr ließ er sich nieder, abends war alles kahlgefressen. Ein Reiter, der sich in den Schwarm wagte, wurde samt Pferd bis auf das Gerippe aufgefressen!"

Das Heimatbuch Hollabrunn erwähnt auf S. 181 die Jahre 1686/93 und 1740/49, in denen unser Bezirk fast allerorts von Heuschreckenschwärmen heimgesucht und arm gefressen wurde. Man versuchte, diese lästigen Eindringlinge durch Lärm (Glockengeläute, Trommeln, Schreien, Schlagen mit Stecken an Bäume) zu verscheuchen. Auf dem Boden hüpfende Larven hat man oft niedergewalzt und durch Viehherden zertrampeln lassen.

Maikäferjahre

Maikäferjahre waren im Wein- und Obstbau besonders gefürchtet, bis man ihr Massenauftreten mit chemischen Mitteln so eindämmte, daß der Maikäfer heute nur mehr ganz selten zu sehen ist. Schon die Larven (Engerlinge) richteten in ihrer dreijährigen Entwicklungszeit an den Wurzeln junger Pflanzen arge Schäden an. Das Schlüpfen der fertigen Käfer aus dem Boden trifft genau mit dem Austrieb des Weinstockes und mancher Obstsorten zusammen. Die Käfer fressen diese zarten Triebe mit besonderer Vorliebe. Sie lassen sich daher abends nach lebhaftem Dämmerflug bei ihrer Lieblingsspeise zur Übernachtung nieder. Am Morgen hängen sie, von der nächtlichen Kälte erstarrt, an den Reben oder Zweigen. Wer sich da beeilt, kann die hilflosen Schädlinge abklauben oder abschütteln, bevor sie, von der Sonne aufgewärmt, die jungen Triebe anfressen. Kurz nach der Paarung verkriecht sich das Weibchen in die Erde zur Eiablage. Je mehr Käfer man in der Schwarmzeit vernichtet, um so weniger sind in der nächsten Periode zu erwarten. Daher wurden sie in starken Flugjahren allmorgendlich - auch mit Hilfe der Schulkinder - fleißig eingesammelt und in Gruben durch Überschütten mit heißer Kalkbrühe getötet. Die Schulkinder bekamen für das Sammeln der Maikäfer unterrichtsfrei und ein bescheidenes Entgelt von der Gemeinde. Die ärgste Dezimierung aber erfuhren diese Schädlinge durch Schlechtwetter während ihrer Flugzeit.

Die Reblaus

Die Reblaus wurde 1901 erstmals festgestellt. Sie ist vor der Jahrhundertwende mit amerikanischen Rebsorten in unsere Heimat eingeschleppt worden, lebt und vermehrt sich sehr rasch im Wurzelbereich des Weinstockes. Die starkwurzelige amerikanische Rebe kann dem Schädling standhalten, die zartwurzelige europäische ("einheimische") aber vernichtet sie. Die erste Reblausbekämpfung war das Einspritzen des stinkenden Schwefelkohlenstoffes in den Wurzelbereich, was aber nur bei durchlässigen Böden, und da auch nur kurzfristig, nützte. So kam man auf das Veredeln unserer einheimischen Edelsorten auf starkwurzelige amerikanische Unterlagsreben. Allerdings verging fast ein Jahrzehnt, bis die neuen Anlagen wieder Frucht trugen.

Kartoffelkäfer

Der Kartoffelkäfer, eingeschleppt in den Kriegsjahren über Frankreich aus Amerika, ist in Platt erstmals 1947 gefunden worden. Suchkolonnen - wieder mit Schulkindern - haben ihn entdeckt. In Massen fressen diese Käfer Kartoffelfelder kahl. Hier setzte gleich die chemische Bekämpfung in Form von Giftspritzung ein. 1951 hat hierfür die Gemeinde ein pferdegezogenes Spritzgerät angeschafft. Biologische Bekämpfungsmittel wären Hühner, Rebhühner und Fasane, die diese Schädlinge gerne abpicken.

 

 

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