Schule und KindergartenDie Platter SchuleZu jeder Pfarre gehörte auch eine Schule. So bekam auch Platt mit Errichtung der Pfarre 1784 eine einklassige Volksschule. Der erste Lehrer war Johann Gnilly. Das erste Schulhaus stand (laut Josefinischer Fassion [1787]) mit der Nr. 85 (neu l44) östlich der Schmiede, also, wie allgemein üblich, nahe der alten Ulrichskirche. Davor, zur Straße hin, stand damals das Viehhirthaus mit der Nr. 80 (neu 143). Beide Häuser wurden 1973 von der Gemeinde an Kaufhaus Brunner, Nr. 142, zur Abtragung verkauft Das Grundstück findet derzeit als Garten Verwendung. 1794 hat die Gemeinde unter Lehrer Mathias Breit (gebürtiger Platter) neben dem Pfarrhof ein neues Schulgebäude mit einer Klasse und Lehrerwohnung errichtet (800 Gld.), das heute als Pfarrjugendheim dient. "Mit Erlaubnis des Abtes" durften Lehrer und Schüler den neuen Brunnen im Pfarrhof benutzen (Pfarrchronik). Das alte Schulhaus wurde Viehhirthaus und an dessen Stelle hat die Gemeinde das Armenhaus errichtet. 1823 baute man östlich einen zweiten Klassenraum an (heute Franziskuskapelle), denn mit der Bevölkerung stieg auch die Schülerzahl an. So verzeichnete die Schulchronik im Jahre 1837 schon 158 Schulkinder in zwei Klassen, plus 72 "Wiederholungsschüler", vermutlich sogenannte "Sommerbefreite" der letzten zwei Schulstufen, die nur in den Wintermonaten einen Tag pro Woche Unterricht hatten. An diesem Tag hatte die 2. Klasse unterrichtsfrei. 1879 kam es bei 160 Schulkindern zu einer dritten Klasse, für die anstelle der 1850 abgetragenen alten Ulrichskirche an den Turm ein Klassenraum angebaut wurde (Kosten: 1000 Gld.), dazu leistete der Landesausschuß einen Beitrag von 300 Gld. 1895 erreichte der Schülerstand mit 226 die Höchstzahl. Da schien in den verhältnismäßig kleinen Klassen die Unterbringung der Schüler schon höchst bedenklich. Außerdem waren die drei Klassen nicht in einem Gebäude und der hundertjährige Altbau gar nicht mehr entsprechend. Daher gab Oberlehrer Ristl 1898 die erste Anregung zu einem Schulneubau, fand aber wenig Gehör. 1906 veranlaßte Oberlehrer Borimann mit Hilfe einer örtlichen Baukommission die Planung des Schulneubaues und 1908 war bereits ein Bauplan vorhanden, der aber als "zu aufwendig" galt. Ein 1910 vorgelegter, vereinfachter Plan hätte die Baukosten auf 30.000 Kronen begrenzt. Da man aber mit dem Baubeginn einige Jahre zögerte, machten der 1914 begonnene Erste Weltkrieg und die schweren Nachkriegsjahre das Bauvorhaben für lange Zeit zunichte. 1932 wurde die Schule mit 72 Schülern zweiklassig. Trotzdem wurde aber die alleinstehende Klasse beim Turm, weil sie größer war, noch einige Jahre benutzt., 1938 wurde sie Gemeindekanzlei. 1934 drohte die Schulbehörde wegen des schlechten Bauzustandes, besonders der sanitären Anlagen, mit einer Schulsperre. Rasch behob die Gemeinde notdürftig die ärgsten Mängel, verpflichtete sich aber gleichzeitig zu einem Schulneubau. Aber wieder war es der Krieg, diesmal der Zweite Weltkrieg, der den Plan vereitelte. Nach Kriegsende drängte die Schulbehörde bald wieder auf einen Neubau der Schule. So kaufte 1948 die Gemeinde unter Bürgermeister Kamhuber und Oberlehrer Mohr das Haus Nr. 148 (neu 204) um 100.000 S. Der Wohntrakt wurde sofort zur Leiter- und einer Lehrerwohnung adaptiert und auch bald bezogen. Im Garten sollte ein dreiklassiger Schulneubau entstehen. 1951 war Baubeginn nach einem Plan von Frau Architekt Schmied (NÖ. Schulbaureferat); Kostenvoranschlag 420.000 S. Mit der Bauausführung wurde Baumeister Oswald Schinner, Zellerndorf, betraut. Im Jänner 1953 konnte der Schulbetrieb durch Direktor Franz Schwinner und einer weiteren Lehrkraft aufgenommen werden. Das alte Gebäude hat die Gemeinde der Pfarre als Jugendheim verkauft. Die Freude am neuen Haus währte allerdings nicht lange. 1956 beobachtete Dir. Schwinner immer deutlicher werdende Risse im Mauerwerk, die er zur Anzeige brachte und weiter zu beobachten hatte. Fachleute stellten mangelnde Bauausführung fest. 1959 ordnete die Landesregierung Sperre und Sanierung des Gebäudes an. Voraussichtliche Kosten: 320.000 S. Für den Unterricht zog man inzwischen in das alte Schulhaus um, als Miete mußte die Gemeinde neue Sanitäreinrichtungen erstellen lassen. Zu Schuljahrsbeginn 1961 konnte man den restaurierten Bau wieder seinem Zweck zuführen. Bürgermeister Pfeifer bemühte sich mit dem Schulleiter um die Neueinrichtung der Klassen (32.000 S) und auf Initiative von Direktor Schwinner ließ die Gemeinde von dem bestehenden Regenwasserreservoir eine Wasserleitung ins Haus installieren (12.000 S). Nachdem sich die Leiter der Platter Volksschule über ein halbes Jahrhundert um einen Schulneubau bemüht hatten, konnte das durch Sanierungsarbeiten sehr teuer gewordene Haus nur mehr kurze Zeit seinem Zweck dienen. Im Zuge der "Reorganisation des Volksschulwesens" wurde auch die neue Volksschule in Platt (wie alle kleinen Volksschulen) 1965 stillgelegt. Die Platter Schulkinder wurden der Volksschule Zellerndorf zugewiesen. Es begann die Zeit der Schülertransporte mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zuerst zu ermäßigten Fahrpreisen, bald aber unentgeltlich. Was geschah nun mit dem Schulhaus? Das Wohngebäude wurde Kindergarten (siehe Seite 109), das Schulgebäude wurde von der Schulbehörde seines Zweckes entbunden und der Gemeinde zu anderer Nutzung überlassen. Diese hat es an Industriezweigbetriebe verpachtet: 1966 bis 1976 beschäftigte ein Filialbetrieb der Wiener Firma SIWAG 30 Frauen aus Platt und Umgebung mit der Herstellung von Arbeitskleidern. Dazwischen zeigten sich 1971 wieder Risse und Sprünge. So mußte man den Bau mit Eisenschließen umgürten, die Fundamente verstärken und die Sprünge verputzen. 1978 bis 1980 erzeugte eine Filiale der Firma ASA, Wien, Arbeitshandschuhe. Da waren aber nur zwei bis drei Arbeiterinnen beschäftigt. Aber wieder zeigten sich Mauerrisse. Sollte daran doch die "Diendorfer Störung" Schuld getragen haben? 1980 hat die Gemeinde das ganze Areal privat verkauft (870.000 S). Schulleiter in Platt
Die ersten Schulausflüge Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Wandertage an Volks- und Hauptschulen zur Pflicht gemacht. Vorher sprach man von Schulausflügen, die aber eine Seltenheit waren. Es mangelte ja noch sehr an Transportmitteln, aber auch an der Finanzierung. Knapp vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges durfte ich als Volksschüler an einem Schulausflug zur Ruine Kaja teilnehmen, der mir zeitlebens in Erinnerung blieb. Mit Pferdewagen, die wir am Tag vorher mit Reisig geschmückt hatten, brachten uns Bauern unentgeltlich auf holpriger Straße frohgemut und singend ans Ziel. Der Herr Lehrer führte uns durch die Ruine und erzählte uns von den Rittern. Nach der Besichtigung lagerten wir im Burghof und jedes Kind bekam - von der Gemeinde gestiftet - eine Knackwurst mit Semmel und ein "Kracherl". Nun noch eine zeitlang Rast und Spiele, dann machten wir uns an die Heimfahrt. Am Ende meiner Bürgerschulzeit in Pulkau erinnere ich mich noch an den Schulausflug per Bahn zur Rosenburg. Auch Burg Kreuzenstein war ein beliebtes Ausflugsziel, das man mit der Bahn leicht erreichen konnte. Dorthin machte die Platter Volksschule um 1925 einen Ausflug per Bahn mit eindrucksvollem Erlebnis: Der Wiener Konditor Georg Pazelt, ein gebürtiger Platter, brachte den Ausflüglern "Gefrorenes" und Bäckerei als willkommene Jause in den Burghof. 1927 fuhr die Platter Volksschul-Oberstufe schon mit einem Lastauto, in das Holzbänke gestellt wurden, in das Waldviertel. Erst in den 30er Jahren standen Autobusse zur Verfügung und man wagte sogar schon mehrtägige Fahrten: 1935 eine 3-Tage-Fahrt zum Steirischen Erzberg. Der Ertrag einer Weihnachtsfeier und ein Gemeindebeitrag finanzierten die Fahrtkosten.
Unser KindergartenDer Platter Kindergarten wurde durch das Bemühen des Schuldirektor-Ehepaares Schwinner und des damaligen Pfarrers Wenzel Schinkmann-Langner von der Caritas 1953 ins Leben gerufen. Es war ein Erntekindergarten, nur im Sommerhalbjahr täglich von 12 bis 19 Uhr in Betrieb, und somit für die bäuerlichen Mütter eine große Entlastung. Die Tante, eine noch postenlose Anwärterin, wurde von der Caritas und eine Helferin von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Einrichtung und Spielzeug konnten allmählich durch Eltern- und Gemeindebeiträge sowie durch andere Spenden besorgt werden. Zwei freie Räume im neuen Schulgebäude standen zur Verfügung. 1959 wurde der Kindergarten vom Land NÖ übernommen. 1965, nach Stillegung der Schule, übersiedelte er in die frei gewordenen Räume des Wohnungstraktes, die sehr gut ausgestattet wurden. Vor allem hat die Gemeinde auch neue sanitäre Anlagen schaffen lassen. Ab 1975 wurde der Kindergarten ganzjährig geführt und die Kinder von Deinzendorf und Dietmannsdorf mit einbezogen, bis 1980, nach Eröffnung des neuen Zentralkindergartens in Zellerndorf, dieser die Kleinkinder der ganzen Großgemeinde aufnahm. Der Transport erfolgt mittels eines Kleinbusses. Auswärtige Kinder werden, auf Wunsch der Eltern, auch mit Mittagessen versorgt.
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