Trinkwasserversorgung

Die Menschen unserer Heimatgemeinde dürfen sich glücklich schätzen, ausreichend mit gutem Wasser versorgt zu sein. In Küche, Bad und Wirtschaftsräumen brauchen wir nur den Hahn aufdrehen, und das köstliche Naß steht uns in jeder Menge zur Verfügung. Nur zahlen müssen wir halt auch dafür. Vor gut zwei Jahrzehnten stand uns unser Trinkwasser noch unentgeltlich zur Verfügung, dafür aber war die Besorgung für die meisten Haushalte weitaus beschwerlicher. Erleichterung brachte uns erst die seit 1969 bestehende Wasserleitung.

Wie haben sich aber die Platter früher mit Trinkwasser versorgt? Jedes Bauernhaus hatte einen ergiebigen Brunnen. Das Wasser wurde mit einer Handpumpe, oft auch noch mit einem "Büttel" an einer "Brunnstange" hochgebracht. Es war aber zum Trinken und Kochen meist unbrauchbar, zu hart durch zu hohen Kalkgehalt und bitter durch Salpeter ("Salita" genannt). Das Vieh wurde notgedrungen damit getränkt. Kurzlebigkeit und häufig auftretende Viehseuchen scheinen in der schlechten Wasserqualität mit ihre Ursache gehabt zu haben. Seife ist in diesem Wasser ausgeflockt. Zum Wäschewaschen nahm man Regenwasser, das man in größeren Holzgebinden, später - ja bis in die Gegenwart - in großen Betonzisternen (Reservoiren) speicherte. In längeren Trockenperioden holte man "weiches Bachwasser" vom Mühlbach in Zellerndorf.

Und woher nahmen die Platter das Trinkwasser? Es gab nur wenige Hausbrunnen mit halbwegs genießbarem Wasser. Den westlichen und südlichen Dorfteil versorgte der "Holzbrunnen" mit Wasser zum Kochen und Trinken. Er besteht heute noch, liegt 1 km südlich des Ortes und ist seit 1961 mit einer elektrischen Pumpe ausgestattet. Heute versorgt er nur noch die nahegelegenen Keller. Der Sage nach soll er einst auch die Bewohner auf dem Schloß am Sandberghang mit Wasser versorgt haben. In Bütteln und eigens angefertigten Wasserbutten, später in Kübeln und Kannen hat man das Wasser eingebracht. Daher ist man mit diesem köstlichen Naß immer sparsam umgegangen. Die östliche Dorfhälfte versorgte der "Neue Brunnen", der am Ostrand des Ortes lag, dort wo heute die neue Bahnstraße beginnt. Er hatte ursprünglich auch ganz gutes Wasser, wurde aber schon um 1960 zugeschüttet, weil er jaucheverseucht war. Seinen jugendlichen Namen trug er über ein Jahrhundert lang. Er dürfte seit Beginn des NW-Bahn-Baues (um 1870) bestehen, denn nach der Pfarrchronik holten die Bewohner des östlichen Ortsteiles ihr Trinkwasser beim "Rotbründl" (stark eisenhaltiges Wasser), das in der Flur Rotbrunnäcker lag und dessen Spuren heute noch im Bahneinschnitt östlich der Bahnhaltestelle als ausgemauerte verschlammte Quelle vorhanden sind. Mit dem Bahnbau wurde der Zugang zu dieser Quelle allgemein untersagt. Als Ersatz grub man den "Neuen Brunnen", den nach einem Gemeindeprotokoll von 1876 "wegen privater Benützungs- und Instanhaltungsstreitigkeiten" die Gemeinde übernahm und eine Pumpe einsetzen ließ. Als dritte allgemein benutze Trinkwasserquelle wäre noch der 15 m tiefe Ziehbrunnen auf dem Nußwaldplatzl zu erwähnen, der wohl recht gutes, aber wenig Wasser lieferte und dessen Ketteneimer schwer zu handhaben war. Der Brunnen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zugeschüttet.

Bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges waren die Wassergefäße durchwegs aus Holz: Büttel (ca. 10 l), Wasserbutten (20 bis 25 l) und Schaffeln verschiedener Größen je nach Verwendungszweck. Sie alle hat der örtliche Binder angefertigt, der auch alles "Kellergeschirr" herstellte und zu reparieren hatte: neben Fässern Bottiche, Mostelschaff, Viertelschaff (1/4 Eimer = 14 l) und Mostsechterl. Die Holzpressen stellte der Zimmermann her.

Wie mühevoll war doch zu jener Zeit die Trinkwasserbesorgung! Der weite Weg zur Quelle und das umständliche Geschirr, das oft schwerer als sein Inhalt war und bei zu starker Austrocknung leck wurde. Es mußte oft erst "eingeweicht" werden. Welche Errungenschaft waren da die ersten Metallkübel und -tonnen und erst die leichten und immer dichten Kunststoffgefäße.

Das Verlangen nach einer ergiebigen Trinkwasserquelle im Haus war schon immer groß. Daher Dank den Männern, die sich 60 Jahre lang um eine Trinkwasserleitung für die Gemeinden des Pulkautales bemüht haben!

Hier seien nur die wichtigsten Daten angeführt: Schon 1909 sollen aus den Gemeinden zwischen Pulkau und Haugsdorf Anregungen gekommen sein, für dieses Gebiet eine Wasserleitung zu errichten. 1913 konstituierte sich in Zellerndorf eine "Vereinigung Pulkautaler Wasserleitung" aus 15 Gemeinden, darunter auch Platt. Obmann war Bahnhofvorstand Franz Gallent, Zellerndorf. Von ihm scheint auch der Entwurf zu einem Werbeprospekt für die "Pulkautaler Wasserleitungs-Effektenlotterie" aus dem Jahre 1914 zu stammen. Die Lotterie kam aber nicht zustande:

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1914 wurde das Projekt des NÖ. Landesbauamtes in Angriff genommen: Man begann die "Allerbründlquellen" bei Großreipersdorf mit Kriegsgefangenen auszubauen. Die Arbeiten wurden aber bald eingestellt. 1922 versuchte wieder Gallent mit der Gemeindevereinigung von Pulkau bis Mailberg, "Pulkautaler Wasserleitung", den Bau zu ermöglichen. Jahrelange Finanzierungsverhandlungen verzögerten den Baubeginn, bis 1939 der Zweite Weltkrieg das Projekt vorläufig scheitern ließ. Typhusfälle durch den Genuß schlechten Wassers veranlaßten 1948 den Ltg. Abg. und Bürgermeister von Zellerndorf Otto Wallig, sich bei der Landesregierung um eine Wasserleitung für das Pulkautal zu bemühen. Zu jener Zeit konnte er aber nichts erreichen, weil die vorhandenen Quellen zu wenig Wasser lieferten und für die Erschließung neuer Quellen kein Geld vorhanden war. 1960 nahm sich die Landesregierung um die Trinkwasserversorgung all ihrer Gemeinden an und gründete 1963 die NÖSIWAG, der diese Aufgabe zufiel. Die Bürgermeister Wallig, Zellerndorf, und Böck, Haugsdorf, sowie GR. Erich Fidesser, Platt, erreichten, daß die "Pulkautalwasserleitung" bevorzugt in Angriff genommen wurde.

Errichtungsdaten: 1967 war Baubeginn. Vorher wurden Quellen in Großreipersdorf und Dietmannsdorf und während der Bauzeit ein ergiebiger Brunnen in den "Teichwiesen" von Pulkau erschlossen. Zwischen Rohrendorf und Dietmannsdorf hat man einen Drucksammelbehälter und östlich von Platt einen Gegendruckbehälter gebaut. Kosten für Platt: Ortsnetz bis zu den Hausanschlüssen inkl. Zähler: 1.114.000 S, Anschlußgebühren (für jedes Haus verpflichtend) zwischen 2.000 und 8.000 S je Haushalt. Die Eröffnungsfeier fand am 14. Juni 1969 beim Gegendruckbehälter in Platt statt.

 

 

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