Umbruch in der Landwirtschaft

Das 20. Jahrhundert ist auch für die Landwirtschaft das Jahrhundert der Maschine. Bis dahin gab es für den Bauern nur einfache Arbeitsgeräte wie Grabscheit, Haue, Gabel, Mistkralle, Sense und Sichel und den von Pferd oder Rind gezogenen Pflug, der durch Jahrhunderte keine wesentliche Veränderung erfahren hatte.

1. Mechanisierung

Bald nach der Jahrhundertwende hielten auch in der Landwirtschaft die ersten Maschinen ihren Einzug. Als erste kann man die mit menschlicher Muskelkraft betriebenen einfachen Dreschmaschinen und Windfegen anführen. Schon vor dem ersten Weltkrieg waren die ersten Sämaschinen in Verwendung. Ganz vereinzelt gab es im Ort schon Mähmaschinen, anfangs nur mit Mähbalken, um wenigstens die schwere Arbeit mit der Sense zu ersetzen, bald auch mit Mähtisch und Rechen zum Ablegen der Getreidewellen, alles natürlich mit Zugtierantrieb.

Meist haben sich zwei oder drei Bauern eine Maschine gemeinsam angeschafft, denn sie waren verhältnismäßig teuer und das Geld war knapp. Für den Weinbau wurde ein Kultivierpflug zur Unkrautbekämpfung erfunden, der auch zur Pflege der Hackfrüchte benützt werden konnte. Bei der Weinlese erleichterte die handbetriebene Traubenquetsche die Arbeit im Preßhaus. Vorher mußte man die Trauben im Mostelschaff mit den "Mostlern" mühsam zu Maische zerstampfen.

Im Verlauf des 2. Weltkrieges mußten Maschinen, besonders bei der Getreideernte, die fehlenden männlichen Arbeitskräfte ersetzen. Mit Hilfe staatlicher Subventionen erwarben die Bauern pferdegezogene "Bindemäher", die das Getreide mähten und zugleich auf Garben banden. Noch immer aber mußten die zu "Mandeln" gehäufelten Garben in die Scheune eingeführt und dort - teilweise erst im Winter - gedroschen werden.

Auch das Dreschen hat seine Geschichte: Ursprünglich besorgten diese Arbeit die "Drescher", eine Dreiermannschaft, die von den Bauern gedungen in deren Scheunen das auf der gepflegten Tenne sorgfältig aufgelegte Getreide mit ihren Drischeln im Dreitakt aus den Ähren droschen. Mit der Windfege ("Windmühle" genannt) wurde das Korn von der Spreu getrennt. Die Entlohnung erfolgte in Naturalien, dem "Teil", das ist jeder 10. Metzen des Ertrages.

Die ersten ganz einfachen Dreschmaschinen wurden, wie auch die Windfegen, mit Muskelkraft angetrieben. Nach 1900 gab es schon die "Strohschüttler" mit Pferdeantrieb über den Göppel. Der Elektromotor (nach 1925) konnte schon größere Maschinen betreiben, sodaß in den 30er Jahren das "Putzwerk", eine Kombination aller Dreschvorgänge bis zum reinen Korn, seinen Einzug hielt. Gedroschen wurde dann gleich im Anschluß an den Getreideschnitt.

Bald nach dem 2. Weltkrieg zogen die Traktoren in unseren Bauernhöfen ein. Natürlich konnten sie die Pferde nicht gleich verdrängen, da vor allem für Feldarbeiten die zu den Traktoren passenden Maschinen fehlten oder gar erst konstruiert werden mußten. Ja selbst an Anhängerwagen mangelte es. Zur Not hat man Pferdewagen mit abgeschnittener Deichsel den Traktoren angehängt, wohl verkehrswidrig, aber polizeilich geduldet. Das erste Ackergerät, das der Bauer für den Traktor anschaffte, war ein passender Pflug. Der alte Pferdepflug hat (wie auch das Pferd) allmählich ausgedient.

Der Traktor ermöglichte als Antriebsmaschine des Putzwerkes das Dreschen auf dem Felde, wie das schon lange vorher die Gutshöfe mit Lokomobilen betrieben. Mit den Pferden besorgte man die Zufuhr der Garben, das Stroh wurde gleich auf dem Acker geschobert.

Bald entwickelte sich eine rege Landmaschinenindustrie. Für alle landwirtschaftlichen Arbeitsgänge wurden zum Traktor passende Maschinen konstruiert. Das Bauernpferd wurde immer überflüssiger und war Anfang der 70er Jahre schon eine Seltenheit im Dorfe. Die Landwirtschaft war mechanisiert.

1955 war der erste traktorgezogene Mähdrescher in Platt im Einsatz. Bald folgte der "Selbstfahrer", für dessen Betrieb nur ein Mann notwendig ist. Das sauber geputzte Getreide, das anfangs in Säcke abgelassen wurde, wird jetzt in einem, in den Drescher eingebauten Silo gesammelt und von dort mittels "Schnecke" lose auf den Traktoranhänger befördert. Der Bauer führt die Ware sofort ins Lagerhaus. In den bäuerlichen Schüttkästen wird nur mehr Saatgut und Futtergetreide für den Eigengebrauch gelagert.

Mit zunehmender Mechanisierung der bäuerlichen Betriebe wurden immer mehr Landarbeiter überflüssig. Diese wechselten gern in die Industrie und in die gewerbliche Wirtschaft über, weil sie dort mit höherem Lohn und besseren Arbeitsbedingungen rechnen konnten. Sie wurden Pendler in die nächstgelegenen Betriebe und halfen höchstens noch gelegentlich in ihrer Freizeit "ihren" Bauern oder betreuten im Nebenerwerb ein Stück eigenen Grund, zumeist einen Weingarten. Allmählich mußten Bauer und Bäuerin mit den Maschinen ihren Betrieb alleine bewältigen, weil auch die Kinder sich immer häufiger einem anderen Beruf verschrieben. Bald waren Saat, Ernte, Unkrautbekämpfung und sonstige Bodenbearbeitungen auf "Einmannbetrieb" eingestellt. Auch die Umstellung der Weingärten auf breitzeilige Hochkulturen (um 1960) gab den Winzern mehr Möglichkeit zu Maschineneinsatz und brachte somit Arbeitserleichterungen.

Maschinen sind teuer, daher muß vor ihrer Anschaffung Notwendigkeit und Rentabilität überlegt werden. Um möglichst wenig Maschinen zu benötigen, ging man von der betrieblichen Vielfalt ab. Futterpflanzen wurden nicht mehr angebaut, da man viehlos wirtschaftete und Hackfrüchte gab es nur mehr vereinzelt. Der Großteil der Bauern beschränkte sich auf Getreidebau (Weizen und Gerste), wobei die Ernte zumeist im Lohndrusch eingebracht wurde. Für Saat und Kultivierung des Getreides gab es Gemeinschaftsbesitz von Geräten oder Nachbarschaftshilfe. Je größer der Betrieb, desto besser werden die Maschinen genutzt.

2. Kommassierung

So wurden viele Betriebe durch Pacht oder Zukauf (meist kleinerer) Grundstücke vergrößert. Die vielen kleinen Parzellen aber waren kaum zur maschinellen Bearbeitung geeignet. Daher wurde in den 60er Jahren der Ruf nach einer Grundzusammenlegung (Kommassierung), wo es galt, Wirtschaften mit 30 bis 40 Flurstücken auf drei bis vier Großflächen zusammenzulegen, immer lauter.

Die NÖ. Agrarbezirksbehörde hat als Termin für die Kommassierung in Platt die Jahre 1972/73 festgesetzt. Im Vorfrühling 1972 lud der sogenannte Operationsleiter alle betroffenen Grundbesitzer zu einer Vorbesprechung ein, bei der die Grundeigentümer eine örtliche Kommassierungskommission aus ihren Reihen wählten, die der Operationsleitung beratend beizustehen hatte. Zum Obmann wurde Franz Winalek, Nr. 12, gewählt. Für Quartier und Arbeitsräume der Operationsmannschaft hat die Kommission das obere Stockwerk des Pfarrhofes gemietet.

Arbeitsbeginn war im Frühjahr 1972. Das Operationsgebiet Platt betrug 871 ha. Dazu gehörte die Kulturfläche der KG Platt mit 851 ha und 20 ha Grenzäcker der Nachbargemeinden Zellerndorf, Watzelsdorf, Guntersdorf, Großnondorf und Röschitz, soweit sie für Grenzänderungen notwendig waren. 771 ha fielen ins Zusammenlegungs-Verfahren. Am Ortsrand liegende Äcker (ev. als zukünftiges Bauland gedacht) sowie der Großteil des Weinbaugebietes und die Waldbestände am Sandberghang, zusammen ca. 100 ha, wurden nicht kommassiert.

Die praktische Arbeit begann im Frühjahr 1972 mit der Vermessung und Bonitierung der Operationsfläche. Bei den für die Bodenuntersuchung notwendigen Bohrarbeiten waren die Grundbesitzer mittätig, wobei ihre Arbeitszeit auf die Kommassierungskosten gutgeschrieben wurde. Größe mal Bodenbonität ergaben den Besitzstand, der in Punkten ausgedrückt wurde. Es gab 6 Bonitätsklassen: I = 3000, II = 2800, III = 2600, IV = 2300, V = 1900, VI = 1600, Hutweide = 1000 und Boden außer Kultur = 100 Punkte je Hektar. Punktezahl des neuen Besitzstandes muß gleich sein dem des neuen abzüglich 3,8 % für Bodenschutzanlagen und zusätzliches Wegenetz. Im Einvernehmen mit der Kommission wurden die einzelnen Flurbereiche, ein dazu passendes Wegenetz und die Lage der Windschutzgürtel festgelegt. Im Winter 1972/73 erstellte das Operationsteam die notwendigen Durchrechnungen und Pläne.

1973 konnten die Besitzer noch ihre ursprünglichen Äcker bestellen und ernten. Während des Sommers erfolgte nach Absprache mit den Grundbesitzern die Zuteilung der neuen Felder und schon im Herbst die Inbesitznahme, sodaß die Herbstackerung und Wintersaat noch rechtzeitig auf den neuen Ackerflächen erfolgen konnte. Es gab keine besonderen Beanstandungen. Die Kommassierungskosten betrugen 1270 S je Hektar.

Erwähnenswert wäre noch, daß im Zuge der Güterwegeplanung im Einvernehmen zwischen Gemeinde und ÖBB in der Flur Rotbrunn eine Güterwegunterführung der Bahn errichtet wurde.

1974 begann man mit der Anlage der Windschutzgürtel im Bergfeld, als windgefährdetste Flur unserer Gemeinde. Die Gesamtfläche der Bodenschutzanlagen beträgt 18 ha, das macht bei 7,5 m Breite 24 km Länge aus. Auch die Asphaltierung der Güterwege ging in den folgenden Jahren unter Zuhilfenahme des Jagdpachtes zügig voran.

3. Die Landwirschaft der 80er Jahre

In den 80er Jahren mußten unsere Bauern wieder eine Umstellung in ihrer Betriebsweise auf sich nehmen. Der fast zur Monokultur gewordene Getreideanbau verursachte eine Überproduktion und dadurch einen Preisverfall, den man glaubte, durch Mehrproduktion auszugleichen zu müssen. Diese erforderte aber mehr Düngung mit Handelsdünger, denn Stalldünger gab es fast nicht, da viehlos gewirtschaftet wurde. Der Boden wurde humusarm und drohte zu veröden. Außerdem mußte das überschüssige Getreide billig ins Ausland (Osteuropa) verkauft werden. Die Bauern bekamen als Ersatz eine staatliche Stützung, um auf ihre Gestehungskosten zu kommen. Auf Dauer ein untragbarer Zustand.

Daher ein neuer Weg: Anbau von "Alternativ-Früchten", Feldfrüchte, die auch bei uns gebraucht, bis jetzt aber teuer aus dem Ausland eingeführt werden müssen: Ölpflanzen, soweit sie bei uns gedeihen, wie Raps, Sonnenblumen, Kürbisse, Sojabohnen, aber auch Gewürzpflanzen, Gemüse und dgl.

Ab 1987 wurde der Getreidanbau kontingentiert und so dessen Anbaufläche verkleinert. Dafür zahlt der Staat für den Anbau obgenannter "Alternativprodukte" Prämien (je ha ca. 5000 S). Die Bauern nahmen diese Neuerung zuerst zögernd - nun aber von Jahr zu Jahr mehr - an, denn der Absatz ist gesichert.

 

 

[ Das Dorf ]