Ortsverschönerung und Ortswege

Unser Anger ist vom kleinen, aber nie ganz versiegenden Ortsbach, dem Sulzbach, durchflossen. Vor der Jahrhundertwende war sein Bett seicht, breit und unreguliert, seine Ufer säumten Weidenbestände und über einige Holzbrücken war er überquerbar. Bei Regen trat er oft aus den Ufern und der Anger glich dann einem Sumpf. Vielleicht hat der Spottspruch "Plod liegt mitten im Kot" von daher seine Berechtigung. Aus Gemeinderatsprotokollen geht hervor, daß die Gemeindeväter seit jeher bemüht waren, die Ortswege zu verbessern. Über Bachräumen, Wegebeschotterung und Ausbesserung der Holzbrücken sind sehr häufig Beschlüsse vermerkt. So rief 1870 der Bürgermeister zu "Zug- und Handrobot" bei Ortswegebeschotterung auf. 1886 konnten mit Hilfe einer Landessubvention zwei neue Brücken gebaut werden.

Zur gründlichen Bachregulierung und damit zur Entsumpfung des Dorfplatzes kam es aber erst im Zuge der 1903 begonnenen Drainierung der Fluren und des Ortsgebietes. Der Bach wurde in ein reguliertes tieferes Bett mit begrasten Ufern gelenkt und so der Anger trocken gelegt. Nun konnten auch bessere Wege geschaffen werden. Anger und Bachufer hat man mit Obstbäumen bepflanzt, die bald der Gemeinde und der Wassergenossenschaft bescheidenen Ertrag abwarfen. Nutzbringende Ortsverschönerung: Obst und Gras wurden versteigert und gingen reißend weg.

Noch einige andere bescheidene Ansätze von Ortsverschönerung aus dieser Zeit verdienen der Erwähnung :Um 1900 kam es zu Baumpflanzungen um die Kirche: Esche und Kastanie vor dem Eingang stehen noch heute. Nach 1905 setzte die Milchgenossenschaft Kastanienbäume um ihr neuerbautes Milchhaus, 1908 errichtete die Gemeinde unterhalb des Pfarrhofes den Kaiserpark mit der Büste Kaiser Franz Josefs I. anläßlich seines 60-jährigen Regierungsjubiläums (vgl. Seite 103). Gleichzeitig wurde auch die Kaiserlinde auf dem Anger gepflanzt, die leider dem Zeughauszubau einige ihrer alten Äste opfern mußte.

Die ersten fester grundierten Fahrwege im Ortsbereich waren die schon unter "Verkehrswege" angeführten Landesstraßen. Sehr bald bemühte man sich um einen besseren Friedhofweg, der schon 1910 vom Ortsende weg entlang der Ackerböschung angelegt wurde. 1937 ist er in einer Gemeinschaftsarbeit gründlich restauriert und von einer Kirschbaumallee gesäumt worden. Die Bäume gingen aber leider bald ein.

1950 bis 1960 war die Gemeinde dauernd bemüht, durch Beschotterung bessere Ortswege zu schaffen. Für eine wirkliche Verbesserung fehlte aber das Geld. Erst 1964 unternahm Bürgermeister Pfeifer den ersten Versuch einer gründlichen Sanierung der Ortswege: Das Wegstück zwischen Kaufhaus Greylinger bis Bindergasse wurde 50 cm tief ausgekoffert, unten mit Schotter (Frostschutz), darüber mit Sand ausgefüllt und gewalzt.

Zur Staubfreimachung (Asphaltierung) der Gemeindewege kam es erst im Rahmen der Großgemeinde: Am 15. Jänner 1967 beschloß der Gemeinderat den Ausbau der Platter Gemeindewege. Man trachtete vorerst die Pläne für die bevorstehende Wasserleitung und Kanalisation zu bekommen, um vor dem Bau eines Wegstückes die notwendigen Rohrverlegungen bewerkstelligen zu können. 1968 hat die Großgemeinde 1 Million Schilling für Ortswegeausbau in Voranschlag gebracht. Im gleichen Jahr wurde mit dem Ausbau der Bindergasse samt Abzweigungen und der Kaffeegasse bis Nr. 72 begonnen, ebenso mit dem Stück von Nr. 21 bis 26. 1969 kam die Straße entlang der westlichen Angerzeile (von Nr. 1 bis Anschluß an die Landesstraße) dran und der Weg über die Milchhausbrücke. Die "Schiefe Brücke" (vor Nr. 18, bzw. 30) wurde abgebaut. Um 1970 hat man Leiten- und Friedhofweg befestigt und asphaltiert, u. zw. vorweg der Kommassierung, weil ersterer für den Bau des geplanten Hochbehälters der Wasserleitung als Zufahrtsweg notwendig erschien. 1974 wurden auch noch die Wege am Bach von der Bindergasse bis Ortsende und von Nr. 180 bis zum Anschluß an den bereits am Ortsrand ausgebauten Seestallweg asphaltiert. 1971 beschloß der Gemeinderat den Ausbau der Gehsteige und Hauszufahrten, wozu die Anrainer Aufzahlungen zu leisten hatten. Hauszufahrten und Gehsteige wurden mit den geplanten Grünanlagen koordiniert.

Schon 1962 wurde der Anger nach Beschüttung mit Aushuberde aus den Vorflutgräben zum erstenmal planmäßig begrünt, 1972, nach Errichtung der Hauszufahrten zum zweitenmal und zusätzlich mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt. Gleichzeitig wurden auch Friedhofweg und Friedhofvorplatz begrünt. Die Ortsverschönerung wurde in den folgenden Jahren auf weiteren freien Plätzen fortgesetzt. Das Interesse an der Ortsverschönerung zeigte sich an gepflegten Vorgärten und blumengeschmückten Fenstern der Häuserfronten. Hausfrauen beteiligten sich an Blumenschmuckaktionen, bei denen Platt meist ehrenvolle Plätze erreichte.

Organisierte Müllabfuhr gab es schon in den ersten Jahren der Großgemeinde. Müll wurde zuerst von den Gemeindearbeitern mit Traktoranhängern abgeholt und im aufgelassenen Steinbruch in Zellerndorf abgelagert. Seit 1980 ist die Müllbeseitigung auf Bezirksebene organisiert. 1984 hat die überregionale Umweltschutzanstalt NÖ. für den Bezirk Hollabrunn eine Zentralmülldeponie errichtet. Die Müllabfuhr besorgte nun eine Privatfirma. Seit 1. Jänner 1992 kümmert sich der "Gemeindeverband für die Abfallbeseitigung im Verwaltungsbezirk Hollabrunn (GAH)", der der strengen Trennung von verwertbarem Abfall und Restmüll besondere Beachtung schenkt, um eine geordnete Müllabfuhr. Die KG. Platt hatte einen Müllablagerungsplatz in einer Mulde am Hang südlich des Friedhofes, der schon immer "wild" benützt worden war. Ab 1970 wurde er von der Gemeinde nur noch für landwirtschaftlichen Abfall und Bauschutt zugelassen. 1980 mußte er durch Grundzukauf erweitert werden, 1990 war er voll und wurde gesperrt.

 

 

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