Wachstum und Schrumpfung unseres Dorfes

Bis 1850 wuchs das Dorf:

Jahr Häuser Einw. Beschreibung
1590 56   Älteste bekannte Angabe über die Größe des Dorfes ist eine Gülteinlage im NÖ Landesarchiv aus dem Jahre 1590 mit 56 Häusern. Das entspricht dem heuti-gen Ortskern (an Stelle der heutigen Nummern 39 und 40 stand ein Gutshof). Ca. 50 Lehenhäuser östlich, westlich und südlich des Angers und einige Klein-häuser, darunter wahrscheinlich die Schmiede (jetzt. Nr. 145) und Viehhirthaus (Nr. 144 [abgetragen]).
1771 86   1771 ordnete Kaiser Josef II: die Numerierung der Häuser an. Diese bis 1957 beibehaltenen Nummern wiesen von Nr. 1 bis 86 eine geordnete Reihenfolge auf. Daher ist bis 1771 ein Bestand von 86 Häusern anzunehmen. Der Ort wuchs daher in 180 Jahren um 30 Kleinhäuser (Hofstätten), die den Anger im Süden und Südosten abschlossen bzw. mitten im Anger er-richtet wurden (alte Nummern 57 bis 86).
1780 96 759 1780 gab die Gemeinde beim Ansuchen um eine Pfarre 96 Häuser und 759 Seelen an. Zuwachs in 9 Jahren: 10 Kleinhäuser (alte Nummern 87 bis 96) im Südosten und Norden.
1795 135   Nach einer Gülteinlage belief sich die Häuserzahl im Jahre 1795 auf 135, Platt wuchs also in 15 Jahren um 39 Kleinhäuser (alte Nummern 97 bis 135).
1837 184 1050 1837 verzeichnete die neu angelegte Pfarrchronik 184 Häuser und 1050 Seelen. Zuwachs in 42 Jahren: 49 Häuser (alte Nummern 136 bis 184), darunter 4 Bauernhäuser (Nr. 170, 184, 194 und 200).
1845 187 1200 Bis 1845 ist die Zahl der Häuser nur mehr um 3 (alte Nummern 185 bis 187) gestiegen, die Einwohnerzahl aber um 150, mit ein Grund für den Bau der großen Kirche (1846 bis 1849).
1850 187 1202 Nach der Pfarrchronik wurde am 2. 8. 1850 die erste Gemeindevertretung von Platt mit 187 Häusern und 1202 Einwohnern "konstituiert". Höchste Einwohnerzahl!

Erklärung für das starke Wachstum der Häuser- und Einwohnerzahlen in den letzten 70 Jahren vor der Bauernbefreiung (1848): Von der Platter "Freiheit" (Flur) war ursprünglich ein beträchtlicher Teil sogenanntes "Überländ", d. h. weder von den Bauern, noch vom Gutshof bewirtschafteter Flurteil. Dies waren der Sandberghang, der bewaldet und für die "Herrschaft" Jagdrevier war, und die bis zur Kommassierung viel größere Flur "Haiden", die als Heideland der Schafweide gedient hat. Nach den Flurnamen zu schließen hat sich diese Heide über unser Gemeindegebiet hinaus auch auf die angrenzenden Fluren der Nachbargemeinden erstreckt. Der Name des zwischen Platt und Guntersdorf liegenden Schafflerhofes weist vielleicht auf die wirtschaftliche Nutzung, nämlich die Schafzucht, hin.

Der Platter Gutshof, der ja schon seit 1469 zur Herrschaft Schrattenthal gehörte, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgelöst, denn auf dem Gutshof bei der Ulrichskapelle waren nach dem herrschaftlichen Grundbuch vom Jahre 1751 bereits zwei belehnte Bauern. Also wurden aus dem Gutshof zwei Bauernhöfe, bis in die Gegenwart "Breitenhäuser" genannt, weil ihre Lehen aus je drei großen Äckern, den "Breiten" bestand, die in Ortsnähe in den Fluren Breitenlüsse, Hofgaben und Brunnfeld jeweils nebeneinander lagen. Sie waren Reste des hofnahen Gutes. Der übrige Teil des Gutes wurde an die Bauern verteilt, worauf auch Flurnamen wie Hofgaben und Breitenlüsse (Lüsse = durch das Los vergeben) hinweisen.

Wenn Platt noch bei der Ortsbeschreibung anläßlich der Pfarrgründung 1783 als "…ein Dorf mit einem Gut…" bezeichnet wurde, so könnte sich das auch auf dessen Besitz der Haiden und des Sandberghanges bezogen haben, denn deren Aufteilung erfolgte in der Hauptsache erst um das Jahr 1800, wuchs doch zu dieser Zeit die Zahl der Kleinhäuser am stärksten an. Die weichenden Erben der Bauern suchten nach einer Existenz, die ihnen der Gutsherr in bescheidenem Maße bieten konnte: Er belehnte sie mit Gründen in den Haiden zur Rodung für Ackerland und mit Wald am Sandberghang, wo in günstigen Lagen Weingärten angelegt wurden. Sogar der herrschaftliche Hofweingarten (westlich vom Holzbrunnen) wurde parzelliert und als die bis heute benannten "Hofackerl" an Grundholden verteilt. Diesen schenkte die Herrschaft noch Baugrund zur Errichtung von Kleinhäusern am südlichen und östlichen und einiger Bauernhäuser am westlichen Ortsrand beiderseits der Hofgabenbreiten. Das Angebot wurde gerne angenommen, weil nach einer Josefinischen Verfügung jeder verheiratete Hausbesitzer von dem damals langjährigen Militärdienst befreit war. So läßt sich das rasche Wachstum des Dorfes erklären. Bis 1848 mußten die Grundholden und Bauern auf dem Gut Schrattenthal Frondienst leisten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die Einwohnerzahl stark zu sinken. Die Entwicklung der Industrie und die rege Bautätigkeit in Wien boten bessere Verdienstmöglichkeiten. Die Landflucht begann.

Die Einwohner- und die Häuser-Entwicklung (nach Pfarr- [PF] und Schulchronik [SCH] sowie Volkszählungen [VZ]) spiegeln diese Entwicklung wider:

Jahr Häuser Nrn. Einw. *) Beschreibung
1850 187 188 1202 Quelle: PF
1885 190 191 1008 Die Einwohner-Höchstzahl hielt kaum ein Jahr-zehnt. In den folgenden 35 Jahren ergab sich ein Rückgang von fast 200 Einwohnern und eine Zunahme von nur 3 Häusern (Bahnwärter-häuser) außerhalb des Ortsbereichs (alte Nummern 189 [Haltestelle an der Flügelbahn], 190, 191 [an der Nordwestbahn]).
1890   191 1000 Quelle: PF
1902
PF
  191 852 Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war ein Rückgang um ca. 150 Einwohner und kein weiterer Häuserzuwachs zu verzeichnen. Zur Jahrhundertwende fielen die Häuser Nr. 6 und Nr. 15 als erneuerte Häuser auf.
1911
VZ
193 196 882 Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ist ein Zuwachs von 30 Einwohnern zu verzeichnen. Durch die Landflucht leerstehende Häuser wurden von Wiener Pensionisten und existenzsuchenden Gewerbetreibenden billig erstanden (siehe Berufe).
1906 wurde das "Preßhaus" von Nr. 20 (hintaus) in ein Wohnhaus mit der alten Nummer 89 (von einem abgetragenen Haus) umgebaut.
Ab Nr. 192 bis zur letzten Altnummer (202) entstanden nur 4 Neubauten, davon im Jahr 1911 die Nr. 196 (neu Nr. 168). Durch Hausteilungen ergaben sich 4 zusätzliche Nummern: 192 (neu Nr. 193/getrennt 1912), 193 (112/?), 195 (191/1902 [bereits abgetragen]), 198 (74/1913). 2 Preßhausaufstockungen im Nußwald brachten zwei weitere neue Nummern. Die Nummer 194 wurde 1912 der Anbau des Ulrichsturms, in dem eine Schulklasse untergebracht war.
1925
PF
194 198 815 Starker Einwohnerrückgang: Über 20 Kriegsopfer, Abwanderung nach dem Krieg.
1935
PF
  201 715 Neubauten: Nr. 199 (neu Nr. 167/erbaut 1927), 200 (205/1933). Grundlegende Hauserneuerungen begannen erst recht zaghaft nach dem 1. Weltkrieg: 4 Neu-bauten auf alten Parzellen: Nr. 47 (l927), Nr. 28 (1928), Nr. 17 (1930). Nr. 201 (dzt. 207): Preßhaus im Nußwald 1925 aufgestockt.
1951
VZ
192 202 670 Neubau: Nr. 202 (neue Nr. 148/1940); ein Neu-bau auf alter Parzelle Nr. 190 (1954) und Nr. 11 (1953).
1957 206 207   1957 erfolgte eine für ganz Österreich behördlich angeordnete Neunumerierung, bei der sich 207 Hausnummern ergaben.. Von 202 Nummern wurden 195 Häuser neu numeriert, 2 noch unnumerierte Neubauten vom Jahre 1955 (180 u.181) miteinbezogen), 10 "Hintauswohnungen" der Bauernhäuser erhielten ebenfalls eigene Nummern: Von Nr. 17 / Nr. 189, von 15 / 192, von 7 / 195, von 6 / 196, von 5 / 198, von 4 / 199, von 3 / 202, von 2 / 203, von 35 / 75 und von 29 / 76. Daher nach Neunumerierung 207 Nummern (davon 1 abgetragen [Nr. 4]).
1961
VZ
203 208 544 Die Einwohnerzahl sinkt im Jahrzehnt 1961-1971 um 126. 5 Nummern nicht erfaßt (unbewohnbar, abgetragen); Neubau Nr. 208 (1958).
1971
VZ
197 209 466 12 Nummern wurden nicht mehr erfaßt. Neubau Nr. 209 auf neuer Parzelle (1968); 4 Neubauten auf alten Parzellen: Nr. 12, 27, 71 und 193.
1981
VZ
211 216 432
(140)
1971 bis 1981 sehr rege Bautätigkeit. 8 Neu-bauten auf neuen Parzellen: Nr. 210 bis 215, 166 und 169a. 12 Neubauten auf alten Parzellen: Nr. 6, 9, 34, 65, 66, 68, 95, 103, 116, 142, 151, 157.
1991
VZ
214 228 398
(158)
Bauland-Erweiterung in Richtung Nußwald und Bahnstraße. 14 Nrn. nicht erfaßt. 12 Neubauten auf neuen Parzellen: Nr. 216 bis 221, 22a, 168a, 194a und Bahnstraße 4, 6 und 8. 8 Neubauten auf alten Parzellen Nr. 41, 44, 45, 75, 87, 118, 120, 169.
1993
VZ
224 239 417
(162)
Zweite Baulanderweiterung: Josef-Pazelt-Straße (15 Parzellen).
11 Neubauten auf neuen Parzellen: Nrn. 222, 223, Bahnstraße 2, 3, 5 und 7, Josef-Pazelt-Straße 1, 3, 4, 5 und 6.
2 Hauserneuerungen: 46 und 140. In den letzten zwei Jahrzehnten wurde auch der Großteil der hier nicht erwähnten bewohnten Häuser renoviert.
18 Nummern markieren abgetragene Häuser (davon 17 seit 1957).
Von den 224 bestehenden Häusern sind ca. 180 bewohnt (davon über 40 als Zweitwohnsitze).

*) Zweitwohnsitzer in Klammer

 

 

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