Wallfahren zum hl. Ulrich in Platt, Trinken der Ulrichsminne

Ulrich von Augsburg (890-973)

Patron der Diözese und der Stadt Augsburg
Patron der Fischer, Winzer und Weber,
der Reisenden und Wanderer,
der Sterbenden,
Helfer bei Krankheit, Schwäche und schwerer Geburt,
bei Mäuse- und Rattenplage
sowie bei Hochwasser

 
Darstellung

Im Bischofsornat auf einem Pferd in der Schlacht auf
dem Lechfeld,
meist bärtig,
mit Mitra, Krummstab und Buch;
fast immer erinnert ein Fisch an das Freitagswunder:
so gab Bischof Ulrich an einem Freitag dem Boten
des bayrischen Herzogs versehentlich ein Stück köstlichen
Braten mit.
Als der Bote den Braten seinem Herrn überreichen
wollte und der Herzog den Bischof bereits als Brecher der
Fastenregel verdächtigte, war das Fleisch zu Fisch
geworden.

Bis 1756 gab es den Brauch, zu Ostern zur alten Platter St. Ulrichskirche am Anger- heute ist davon nur noch ein baulich ziemlich veränderter Turmrest zu sehen- zu wallfahren um dort im Anschluß an eine Predigt aus einem speziell für diesen Anlaß vorgesehenen Kelch die sog. Ulrichsminne ("caritas Sancti Udalrici") zu trinken. Durch das Trinken dieses besonderen Weines glaubten die Wallfahrer vor Fieber und anderen Krankheiten geschützt zu sein, d. h. man erwartete sich, ähnlich wie von anderen Sakramentalien, körperliche und geistige Stärkung. Das Minnetrinken (in den Quellen erwähnt als "poculum caritatis", Minnebecher) zu Ehren Ulrichs, des Sohnes des alemannischen Gaugrafen Hupald von Dillingen und 973 verstorbenen, schon 993 heiliggesprochenen ehemaligen Bischofs von Augsburg, scheint aufgekommen zu sein, weil er selbst das Zutrinken mit dem Becher beim Ostermahl eingeführt und es mit einer Gabe oder Spende verbunden hatte. "Minne" bedeutet "Liebe" und "liebendes Gedenken". (Der Kelch wurde mit den Worten "Trinket die Liebe des hl. Ulrich" ausgeteilt.) Die Gläubigen tranken diese "Minne" häufig aus jener Kelchkuppe, welche 1183 bei der Eröffnung des Ulrichsgrabes in Augsburg gefunden wurde, und den der heilige Ulrich zu Lebzeiten verwendet hatte. Nach diesem Vorbild hergestellte Kelche haben entscheidend dazu beigetragen, das Trinken der Ulrichsminne in ganz Europa aufleben zu lassen. Die "caritas Sancti Udalrici" wurde als kirchlicher Brauch mit Eifer gepflegt und ist uns auch weit außerhalb von Ulrichs Heimatdiözese Augsburg bezeugt. Der Mensch des Mittelalters und der Neuzeit, vor allem im Barock, erflehte die Hilfe des Augsburger Bischofes nicht nur bei Fieber, sondern auch bei Augenkrankheiten, Hundebissen und vor gefahrvollen Reisen, auch sollte Ulrich Schutz vor Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Sturmfluten gewähren. Deshalb schmückten die Künstler die Ulrichsdarstellungen meist mit einem Fisch, einem Symbol, das in späterer Zeit nicht mehr verstanden und legendenhaft (Freitagswunder!) umgedeutet wurde.

Dompropst Gerhard von Augsburg, Zeitgenosse Ulrichs und Augenzeuge wichtiger Begebenheiten, schildert in seiner zwischen 983 und 993 verfaßten Lebensbeschreibung des Heiligen ("Vita Udalrici"), u. a. die Art, wie Ulrich die österliche Zeit in religiösen Übungen verbrachte, wie er fastete und betete. Weiters beschreibt Gerhard die Prozession am Palmsonntag, die Feier der Karwoche, die Ostermesse, und schließlich das "fröhliche Mahl, zu dem Ulrich am Ostersonntag Klerus und Adel einzuladen pflegte".

Der 4. Juli, Ulrichs Todestag und somit eigentlich "dies natalis", d. h. Geburtstag zum wahren (himmlischen) Leben, wurde gewissenhaft gefeiert; seit der Zeit des Augsburger Bischofes Heinrich II. (1047- 1064) offiziell in allen Kirchen der Diözesen Augsburg, Regensburg, Passau, Salzburg, Eichstädt, München, Freising, St. Pölten und Wien. Neben den dem Heiligen geweihten Kirchen gab es auch Bruderschaften und Benefizien desselben, vor allem aber Ulrichsbrunnen,- allein im Allgäu zehn Dutzend Ulrichsbrünnlein-, weiters viele Ulrichskapellen, Ulrichsbrücken und Ulrichswiesen. Zu Ulrichs Lebzeiten war der alte heidnische Brauch, wonach man den Brunnengöttern Opfer darzubringen habe, um das Wasser ergiebig und gesund zu erhalten, noch nicht erloschen; die Christen trauten sich nicht, die Opfer zu unterlassen, um die reizbaren Geister nicht zu erzürnen. Ulrich weihte und segnete solche Brunnen und machte sie damit zu christlichen Wallfahrtszielen.

Im folgenden ein Ausschnitt aus dem Bericht des Mathias Hirrte, Dechant und Pfarrer zu Langau, über eine Visitation der Kirche in Platt und über den dort von den Wallfahrern gepflegten Brauch, zu Ostern die "Ulrichsminne" zum Schutz vor Krankheiten zu trinken. Datiert: 4. 12. 1756 (Akt im Wiener Diözesanarchiv)

....Zu Folge untern 3ten 7bris (Septembris)
756 am mich gdst (gnädigst) erlassenen Befehls/: daß (daß) zu
Zellerndorf in Feria 2da (secunda) vel. 3tia (tertia) Paschalis denen
Leuthen auß einem consecrirten Kelch zu trüncken
gegeben werde betr. (betreffend?):/ Habe den 19ten 9bris (Novembris) die
Sach untersuchet, und sich folgender Befund
geEußeret: Es wurde Jähr. (jährlich) in ipso Paschalis
Festo in der Filial Kirchen zu Platt ad stum (sanctum)
Uldaricum Nachmittag eine predig gehalten,
wornach ein Wein geweyhet, bey welcher weih
auch intercessio sti (sancti) Uldarici angerufen wird, und
dem Volck von unerdencklichen jahren in Einem
privative ad hunc usum deputirten Kelch an er=
melten Tag zu trüncken dargereichet worden, ob
dißer Kelch consecrirt ist unwissend, zumahlen
solcher Niemahls bey dem Hl: Meeß=opfer ge=
brauchet werde: Dem Vernehmen nach findet sich iederzeit
eine zahlreiche Volcks=menge ein,
dann sie Hofen durch die Vorbitt des Hl:
Uldarici selbes Jahr, wann sie von dißen geweyhten
wein mit andacht trüncken, von Kranckheiten spe=
cialiter aber von dem Fieber befreyet zu seyn:
ob künftig sie diße wein=weyh, und auß gedachten
Kelch geben zu trüncken sollte unterlassen werden,
wird Ein Vble (Venerabile) Constm (Consistorium) dem Hhen Pfarr=vicario
zu Zellerndorf gdst (gnädigst) veranordnen......

 

[ Das Dorf ]