Ausbau der VerkehrswegeDer älteste bekannte größere Verkehrsweg, der unsere Heimatgemeinde berührte, war die alte Poststraße Wien - Prag, die über Hollabrunn und Guntersdorf - südlich an Platt vorbei entlang der Sandberghöhe (dzt. Außerm Holz-Feldweg) über Bergfeld und südlich von Deinzendorf und Rohrendorf (dort heute noch Postweg genannt) nach Pulkau und Drosendorf verlief. Als nach dem Straßenpatent Kaiser Karls VI. v. J. 1720 die damalige Kaiser- oder Reichsstraße (dzt. B 2) von Hollabrunn über Kleinhaugsdorf nach Znaim trassiert und 1746 dem Verkehr übergeben wurde, ging diese alte "Böhmische Poststraße" ein. So mag vielleicht schon das versunkene "Schloß Platt" ganz nahe einem wichtigen Verkehrsweg gelegen sein. Sonst waren die Dörfer nur durch gemeindeeigene primitive Feldwege miteinander verbunden. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die Verkehrswege, die aus unserer Region und unserem Ort heute nicht mehr wegzudenken sind: 1870 begann der Bau der Nordwestbahn. Die Grundeinlösung stieß trotz guter Entschädigung (1 Gulden je qukl.) auf Schwierigkeiten. Die Bauern ließen sich ihre Äcker nicht gerne zerstückeln. So bedauerte sogar der Pfarrer in der Chronik, daß die schöne Pfarrwiese (zwischen Bach- und Straßenviadukt) zweigeteilt und kleiner wurde. 1872 erfolgte die Eröffnung der Nordwestbahn-Strecke Wien - Znaim mit einer Länge von (laut Bedingung!) genau 100 km. Gleichzeitig wurde auch die "Flügelbahn" Zellerndorf - Sigmundsherberg gebaut. Sie verläuft z. T. fernab von Siedlungen, weil sich vornehmlich die Frächter gegen die Ortsnähe eines Bahnhofes wehrten. In die Zeit des NW-Bahn-Baues fällt auch der Ausbau des Gemeindeweges Zellerndorf - Roseldorf über Platt zu einer geschotterten Landesstraße (dzt. L 1065). Hierzu wurde 1871 statt des steilen Anstieges über die Nußwaldkellertrift am Ostrand des Hohlweges bis zur Kapelle die Serpentinentrasse projektiert, wozu als Grundablöse 40 kr. für Ackerland und 70 kr. für Weingarten je qukl. entschädigt wurden. Die alte Wegtrasse ist noch bis heute Gemeindeparzelle, war bis 1910 Fahrweg, dann Fußsteig und Rodelbahn, wird aber seit der Motorisierung nicht mehr benützt und ist heute mit Sträuchern verwachsen. Der Straßenbaubeitrag der Gemeinde betrug 1300 Gulden minus 200 Gulden Landessubvention. Die Gemeindeumlage wurde auf 30 % vom "Steuergulden" erhöht. 1889 erreichte die Gemeinde die Errichtung einer Bahnhaltestelle an der Nebenstrecke nach Sigmundsherberg bei der Straßenkreuzung ("Doppeltes Wächterhaus"). Da auf dieser Strecke auch die Post befördert wurde, erhielt Platt 1897ein Postamt (HNr. 158, nach 1900 Nr. 19), das 1923 aufgelöst wurde. Nach einem Ansuchen der Gemeinde bei der Landesregierung um den Bau einer Straße nach Guntersdorf i. J. 1889 begannen die Bauarbeiten erst 1904, zunächst nur im Ortsbereich: Zwei Abzweigungen von der L 1065 über das untere und obere Angerende mit je einer Bachbrücke (L 1064 und L 1064a) wurden gebaut. Nach Vereinigung der zwei Teilstücke bei Haus Nr. 49 wurde die Straße noch bis zur Kirche ausgebaut. Eine dankenswerte Verbesserung der Ortswege, besonders zu Kirche und Schule, was der Pfarrer in der Chronik erfreut festhielt. Erst 1906/08 erfolgte der weitere Ausbau bis Guntersdorf, zu dessen Beschleunigung RRAbg. Kühschelm, Pfarrer in Guntersdorf, wahrscheinlich auf Betreiben unseres Pfarrers beitrug (Pfarrchronik). Die Instandhaltung der Landesstraßen bestand lediglich in der Nachbeschotterung. Sie waren holprig und in Regenperioden kotig. Ortsdurchfahrten wurden bei Mitbeteiligung der Gemeinden gepflastert. So wurde schon 1906 die L 1065 zwischen den beiden Abzweigungen der L 1064 und L 1064a mit einer geteerten Klinkerdecke versehen. 1927 hat die Straßenverwaltung mit Gemeindezuschuß von 5.500 S die L 1064 von HNr. 176 über die Brücke bis kurz nach der Gemeindekanzlei mit Klinkern gepflastert. Nach dem 2. Weltkrieg beherrschte immer mehr das Auto die Straße. Das erforderte bessere Grundierungen und Staubfreimachung. So beschaffte der Gemeinderat von Platt unter Bgm. Lewisch Anfang 1960 Granitkleinschlagsteine für 500 m Landesstraße im Ortsgebiet um 130.000 S, die unter Bgm. Pfeifer von der Gemeindekanzlei (Anschluß an Klinkerdecke) zur Kirche und 1961 vom Gasthaus über die Brücke bis zum Anschluß an die L 1064 von der Straßenverwaltung verlegt wurden. Die Landesregierung war bestrebt, jeder Gemeinde einen staubfreien Anschluß an die nächste Bundesstraße zu ermöglichen. 1963 bemühte sich der Gemeinderat um einen staubfreien Anschluß nach Zellerndorf. Die Straßenverwaltung bestand auf Umfahrung der NW-Bahn, Grundeinlösung für die neue Trasse durch die Gemeinde und einen Baubeitrag von 70.000 S. 1964 faßte der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluß und 1966 erfolgte die Einlösung des Grundes, die im Zuge der bevorstehenden Kommassierung abgegolten werden sollte. l967 begann der Ausbau an der Engstelle Orts-Nordausgang. 1968 erfolgte die Fertigstellung bis zum Anschluß an die bereits 1965 ausgebaute Hälfte von Zellerndorf. Die alte Trasse wurde bis zum Bahnviadukt Güterweg. Auf der Straße nach Roseldorf wurde 1967 im Ortsgebiet das desolate Klinkerpflaster von 1906 entfernt und dafür bis zum Nußwald asphaltiert. Die Fertigstellung bis zum Urlauberkreuz erfolgte 1975. Leider scheiterte die Begradigung bei der Kapelle an der Grundablösung. 1970 wurde die Landesstraße 1064 durch den Anger (anstelle der Klinker von 1927), 1972 von der Kirche 500 m nach Osten und 1974 mit Mitteln der Grenzlandförderung bis zur Bezirksgrenze asphaltiert. Die Straßenverwaltung baute 1976 ohne Gemeindeverpflichtung die untere Angerbrücke so aus, daß die 90°-Kurve der L 1064 entschärft wurde. 1978 wurde die obere Brücke (L 1064a) ebenfalls neu errichtet und angehoben. Dabei erwies sich auch eine Anhebung des Niveaus des anschließenden Stückes zum Kirchenberg als notwendig. Durch die Rohrverlegungen für Wasserleitung und Kanalisation Ende der 60er Jahre war das Granitpflaster von 1960/61 sehr beschädigt. Daher hat man es in seiner Gesamtheit durch eine Schwarzdecke ersetzt. Mit Zunahme der Pendler und Fahrschüler in Richtung Wien und Retz wurde der alte Wunsch nach einer Haltestelle an der NW-Bahnstrecke wieder laut. Daher ersuchte die Gemeinde nach Beschluß vom 6. 8. 1979 die Bundesbahndirektion, festzustellen, ob die Errichtung einer solchen Haltestelle möglich wäre, ansonsten sie sich um eine Autobuslinie Retz - Hollabrunn über Platt bemühen müßte. Langwierige Verhandlungen über die Finanzierung dieses Projekts, die die ÖBB-Direktion von der Gemeinde verlangte, schoben die Durchführung auf die lange Bank. Erst am 14. 4. 1981 hat der Gemeinderat mit dem Verkehrsminister eine Einigung erzielt: Die ÖBB verlegte die alte Haltestelle von der Flügelbahn Zellerndorf - Sigmundsherberg an die NW-Bahnstrecke bei km 70,5 auf ihre Kosten, die Gemeinde sorgte für einen asphaltierten Zufahrtsweg mit Straßenbeleuchtung und einen Parkplatz vor der Haltestelle (50.000 S). Dem Landwirt Karl Fidesser, Nr. 40, löste die Gemeinde im Tauschweg den Grund für Zufahrtsweg, Parkplatz und 8 Bauplätze entlang des Weges ab. Am 27. September 1981 wurde die Haltestelle eröffnet. Um die Mittagszeit erwarteten eine Anzahl Platter, Bürgermeister Riedl und Gemeinderäte, aber auch die beiden Mandatare NR. Pfeifer und Ltg. Abg. Fidesser, die sich um das Zustandekommen dieses Projekts besonders bemüht haben, den ersten hier haltenden Zug und fuhren bis Zellerndorf mit, wo in der Bahnhofrestauration eine kleine Feier stattfand. Außerdem existiert seit dieser Zeit auch eine Postbuslinie von Hollabrunn über Roseldorf und Platt nach Retz. Die schlechten Verkehrsverbindungen vor 1980 ließen den Wunsch der Platter Bevölkerung nach einer Fernsprechstelle berechtigt erscheinen. Daher bemühte sich der Bauer und Weinsensal Franz Binder, Nr. 46, bald nach Kriegsende um einen Anschluß unserer Gemeinde an das Fernsprechnetz. Über sein Betreiben hat die Post 1947 eine Sprechstelle im Kaufhaus Matulik, Nr. 51, und gleichzeitig einige Privatanschlüsse eingerichtet. Wie auch andernorts stieg die Teilnehmerzahl in den 70er- und 80er Jahren rasch an und betrug 1990 um die 100. 1980 wurde vor dem Kaufhaus Greylinger eine öffentliche Telephonzelle errichtet.
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