Wettermäßig abnormale, gute und schlechte Jahre

Die Schrattenthaler Chronik von Oblistil führt einige abnormale Jahre an:

  • "1420 blühten am 7. April die Rosen; Kirschen und Erdbeeren waren zu pflücken; im Juni waren Trauben und Pfirsiche reif. Am 8. Juni war ein Reif und Schnee, davon aber wenig Schaden. Auch der Herbst war schön."
  • Im Jahr 1430 gab es keinen Winter, im April war das Getreide reif.
  • Anno 1473 war ein kalter Winter, aber ein zeitiges Frühjahr und ein heißer Sommer. Es gab viel und sehr guten Wein.
  • Kalt bis August war es 1523, "im Juni mußte noch geheizt werden."
  • "1882 (Pfarrchronik) war ein sehr milder Winter, kein Schnee und niederschlagsfrei bis Mai. Nach Hagelschlag am 6. Mai wurde es kalt und windig, aber es gab keinen Regen bis Mitte Juni. In der Bittwoche war ein Reif, trotzdem waren Feld- und Weinernte gut."
  • Einen ausnehmend kalten Sommer hatten wir 1980, die Trauben wurden erst in der zweiten Septemberhälfte weich, Lese war um Allerheiligen, Anfang November sogar bei Schneefall. Es gab recht sauren Wein.

Die guten Jahre bezogen sich in früheren Jahrhunderten hauptsächlich auf erfolgreiche Weinjahre, weil der Feldbau in unserer Region zweitrangig war. Als gute Weinjahre im 15. Jahrhundert führt die Schrattenthaler Chronik an: 1424/25/31/42/63/73, und nach der Platter Pfarrchronik wuchs viel und guter Wein 1871/72/78/85/98, 1900/05/08 (besonders gut), 1911/17/21. Nach dem Zweiten Weltkrieg können die Jahre 1947/69/79/83 sowie 1992 und 1993 als qualitativ sehr gut bezeichnet werden.

Die schlechten Jahre wurden schon genauer registriert, denn die hatten ehemals, als der Bauer noch Selbstversorger war, bei ihm zu allererst Not zur Folge:

  • Das Retzer Heimatbuch führt Hungersnöte nach Mißernten an in den Jahren 1082, 1092 (nach der Schlacht bei Mailberg), 1146/62/87/97, 1206/07, 1212 bis 1217 (Periode) und 1363.
  • 1565 war ein strenger Winter, viel Nebel (davon häufig Augenkrankheiten), unguter Sommer, Mißernte und in der Folge Hungersnot.
  • 1727 bis 1734 waren sieben magere Jahre, stets Mißernten durch Nachtfröste beim Wein und durch Mäuse u. a. Ungeziefer beim Getreide.
  • Der Platter Pfarrchronik sind eine Reihe von Mißjahren im Weinbau zu entnehmen. Durch "Dürre" oder "Kälte im Sommer" waren geringe Ernten oder saurer Wein, der oft "kaum zu trinken" war, in den Jahren 1814/15, 1862 bis 1870, 1890/96/99 und 1902/03.
  • Um die Jahrhundertwende brachte die Reblaus die "einheimischen Rebkulturen" um. Viele Bauern verschuldeten und mußten in der Stadt eine neue Existenz suchen. Der Weinbau mußte umgestaltet werden: Veredelung auf amerikanische Unterlagen, die der Reblaus standhalten können und Anwendung von Spritzmitteln gegen neu auftretende Pilzkrankheiten (Peronospora, Oidium). In den Neuanlagen haben in den Jahren 1909 bis 1913 die Frühjahrsnachtfröste ("Reif") die Erträge gemindert.

Extrem kalte Winter fürchtet der Weinbauer heute mehr als zur Zeit der bodennahen Stockkulturen, bei denen die Schnittaugen durch angehäufelte Erde und Schnee gegen Frost eher geschützt waren. Die Augen der Weinreben können Frost bis -20° Celsius standhalten.

  • 1855, im Februar, verzeichnet die Pfarrchronik Platt -19° Reaumur, d. s. - 25° Celsius, und Schneestürme. Von Schäden ist nichts vermerkt.
  • 1929 wurden Mitte Februar -30° C abgelesen. Der reichliche Schnee schützte die Weinstöcke, die Nußbäume sind erfroren.
  • Im Winter 1946/47 hatte es lange um -20° C mit Frostschäden.
  • 1953/54 gab es auch kurzfristig - 20° C, aber wenig Schäden.

Nach 1960 sind unsere Hauer zu den Hochkulturen umgeschwenkt: teils neu ausgesetzt, teils Stockkulturen auf "hoch" umgestellt. Die Weingartenarbeit wurde dadurch erleichtert, die Winterfröste aber waren gefährlicher:

  • 1985 wurde man davon ganz deutlich überzeugt: am 7. 1. hatte es - 23°C und am 8. 1. -21° C. Die Frostschäden waren so groß, besonders an der Sorte Portugieser, daß viele Weingärten total gerodet werden mußten.
  • 1987 waren im Jänner und Februar kurzfristig bis -20° C. Die Schäden aber waren erträglich.

In den nächsten Jahren steckte die gesamte Weinwirtschaft in einer schier ausweglosen Krise. Die Weinbaufläche war größer, die Hektarerträge höher geworden, aber der Weinabsatz stockte. Die Keller waren voll. Der Preis deckte nicht einmal die Gestehungskosten. Viele Hauer gaben auf oder betrieben den Weinbau nur mehr im Nebenerwerb. Die nicht maschinell bearbeitbaren Weinberge begannen bereits zu veröden. Seit 1992 gibt es für Weingartenrodungen staatliche Prämien.

Heute aber hat sich diese Notsituation für unsere Winzer spürbar gebessert. 1996 und 1997 gab es nur geringe Erträge, dafür aber eine sehr gute Qualität. Da österreichweit mehr verbraucht als erzeugt wird, ist der Absatz zu angemessenen Preisen gesichert.

 


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